Ratgeber · Bewertung & Preis

Immobilienpreise Prognose 2027: verkaufen oder warten?

Wohnimmobilien legen wieder zu, die EZB hat die Zinsen 2026 zweimal erhöht — und die Prognosen sehen 2027 das Preisniveau von 2022 zurück. Was davon für Ihre Verkaufsentscheidung zählt und welche Zahl Sie getrost ignorieren können.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht16. September 2026
Aktualisiert16. September 2026
Lesezeit9 Min.
Symbolbild, KI-generiert
📊 Datenbasis: Alle Zahlen in diesem Artikel stammen aus dem vdp-Immobilienpreisindex Q2/2026 (Verband deutscher Pfandbriefbanken, 10.08.2026), dem IW-Kurzbericht 23/2026 (Institut der deutschen Wirtschaft, 18.03.2026), den Zinsentscheidungen der EZB vom 10.09.2026 sowie der Bautätigkeitsstatistik des Statistischen Bundesamts. Stand: 16. September 2026. Prognosen sind Szenarien, keine Zusagen — Ausführungen zu Rechts- und Steuerthemen ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.

Wer 2027 verkaufen will, bekommt derzeit zwei gegenläufige Signale. Die Preise für Wohnimmobilien steigen wieder — im zweiten Quartal 2026 um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen 2026 zum zweiten Mal angehoben. Steigende Preise bei steigenden Zinsen: Das passt nur so lange zusammen, wie der Nachfrageüberhang größer ist als der Finanzierungsdruck.

In über 1.000 begleiteten Verkäufen sehen wir immer wieder dieselbe Fehlentscheidung: Eigentümer verschieben den Verkauf um ein Jahr, weil „die Preise ja steigen sollen" — und verlieren am Ende mehr über die Zinsentwicklung, als sie über die Preisentwicklung gewinnen. Dieser Artikel ordnet ein, was die Prognosen für 2027 tatsächlich sagen, welche Zahl für Ihre Entscheidung zählt und welche Sie ignorieren können.

Wo die Immobilienpreise im Herbst 2026 stehen

Der belastbarste Indikator für den deutschen Markt ist der vdp-Immobilienpreisindex. Er beruht nicht auf Angebotspreisen aus Portalen, sondern auf echten Transaktionsdaten von mehr als 700 Kreditinstituten — also auf Preisen, die tatsächlich gezahlt wurden. Für das zweite Quartal 2026 zeigt er folgendes Bild:

Segmentggü. Vorjahresquartalggü. Vorquartal
Wohnimmobilien gesamt+1,9 %+0,3 %
Eigentumswohnungen+2,6 %+0,5 %
Eigenheime+2,0 %+0,4 %
Mehrfamilienhäuser+1,6 %+0,3 %
Gesamtindex (inkl. Gewerbe)+1,3 %−0,1 %

Zwei Details sind für Verkäufer wichtiger als die Schlagzeile. Erstens: Der Anstieg fällt weniger dynamisch aus als in den Vorquartalen — das Statistische Bundesamt wies für das erste Quartal 2026 ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus, bei 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Wir bewegen uns in einem Markt, der sich stabilisiert, nicht in einem, der abhebt.

Zweitens: In den sieben größten Städten lag das Plus mit 2,1 Prozent zwar leicht über dem Bundesschnitt, die Spreizung ist aber erheblich — Hamburg 3,8 Prozent, Köln 2,5 Prozent, Frankfurt und Düsseldorf je 2,4 Prozent, München 2,3 Prozent, Berlin 1,6 Prozent, Stuttgart 0,7 Prozent. Im ersten Quartal hatten noch vier dieser Städte Zuwächse von mehr als 4 Prozent verbucht. Die Dynamik lässt also auch dort nach, wo sie am größten war.

Ein dritter Befund passt nicht in die Schlagzeile, ist für Verkäufer aber der ehrlichste: Der IW-Wohnindex für das zweite Quartal 2026 beschreibt einen Markt, in dem die Kaufpreise nur moderat zulegen, während die Angebotsmieten deutlich steigen und das Mietangebot in vielen Großstädten weit unter dem Niveau von 2022 liegt — in Hamburg um mehr als die Hälfte. Wohnen wird teurer, ohne dass Kaufpreise im gleichen Tempo folgen. Für Eigentümer heißt das: Der Nachfragedruck ist real, er schlägt aber nicht eins zu eins auf den Kaufpreis durch, weil die Finanzierbarkeit die Obergrenze setzt.

Die zweite Zinswende — und warum sie 2027 dominiert

Am 10. September 2026 hat der EZB-Rat die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben. Seit dem 16. September 2026 liegt der Einlagesatz bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 Prozent. Es war die zweite Erhöhung in diesem Jahr nach dem Schritt im Juni.

Begründet wird das mit anhaltendem Preisdruck. Die EZB-Projektionen sehen die Gesamtinflation im Euroraum bei durchschnittlich 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent 2027 und 2,1 Prozent 2028. Erst gegen Ende 2027 nähert sich die Inflation dem Zielwert wieder an — was bedeutet, dass ein schnelles Zurückschwenken auf sinkende Zinsen in der Planung für 2027 nichts zu suchen hat.

Für Baufinanzierungen heißt das: Zehnjährige Zinsbindungen bewegen sich im September 2026 in einem Korridor von rund 3,7 bis 4,3 Prozent, abhängig von Bonität, Beleihungsauslauf und Anbieter. Nach den starken Ausschlägen der Vorjahre ist das ein vergleichsweise ruhiges Niveau — aber eben kein fallendes.

Warum der Zins den Preis bestimmt

Käufer rechnen nicht vom Kaufpreis nach unten, sondern von ihrer Monatsrate nach oben. Die Rate ist die Konstante, der Kaufpreis das Ergebnis. Steigt der Zins, trägt dieselbe Rate ein kleineres Darlehen — und damit sinkt der Betrag, den der Markt für Ihr Haus aufbringen kann.

Was die Prognosen für 2027 tatsächlich sagen

Die am häufigsten zitierte Prognose stammt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Der IW-Kurzbericht 23/2026 vom 18. März 2026 modelliert die Preisentwicklung für alle 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte bis 2035. Die zentralen Aussagen:

Genau diese vierte Aussage geht in der medialen Verkürzung meist unter. „Preise erreichen 2027 wieder das Niveau von 2022" klingt nach Aufbruch — gemeint ist aber, dass nach vier Jahren nominal das Vorkrisenniveau erreicht wird. Inflationsbereinigt liegt der Markt damit weiterhin deutlich unter 2022.

Das IW selbst formuliert die Einschränkung deutlich: Ziel der Prognose sei „keine punktgenaue Vorhersage einzelner Jahreswerte", sondern die Einordnung langfristiger regionaler Entwicklungspotenziale. Wer daraus einen Wert für sein Haus im Jahr 2027 ableitet, überdehnt das Modell.

Realistisch sind für 2027 zwei Szenarien. Im Basisszenario bleiben die Leitzinsen auf dem jetzigen Niveau oder gehen im Jahresverlauf leicht zurück, weil die Inflation sich dem Zielwert nähert; Wohnimmobilienpreise steigen dann weiter im Bereich von ein bis drei Prozent nominal, getragen vom Nachfrageüberhang. Im Gegenszenario zwingt anhaltender Preisdruck die EZB zu einer weiteren Erhöhung. Dann verschiebt sich das Budget der Käufer erneut nach unten, und die Preise laufen seitwärts oder geben regional nach — so wie es der vdp-Index im zweiten Quartal 2026 bereits bei Gewerbeimmobilien zeigt.

Keines der beiden Szenarien rechtfertigt es, einen Verkauf allein wegen der Preiserwartung zu verschieben. Die Spanne zwischen beiden liegt bei wenigen Prozentpunkten — und damit in derselben Größenordnung wie der Fehler, den ein zu hoch angesetzter Angebotspreis oder eine schlecht vorbereitete Vermarktung verursacht.

Zins schlägt Prognose: die Rechnung, die zählt

Stellen Sie die beiden Effekte nebeneinander, wird die Entscheidung greifbar. Angenommen, Ihre Immobilie ist heute 500.000 Euro wert. Effekt A ist die Preisprognose: 500.000 Euro mal 3,1 Prozent nominal ergibt rund 15.500 Euro Wertzuwachs in einem Jahr. Effekt B ist die Zinsseite — und die rechnet sich so:

RechenwegZins 3,5 %Zins 4,3 %
Jahresrate des Käufers (2.000 € monatlich)24.000 €24.000 €
Anfängliche Annuität (Zins + 2 % Tilgung)5,5 %6,3 %
Tragbares Darlehen (24.000 € ÷ Annuität)436.000 €381.000 €
zzgl. 120.000 € Eigenkapital = Kaufpreis556.000 €501.000 €

Die Preisprognose bringt in diesem Beispiel rund 15.500 Euro in einem Jahr. Der Zinsanstieg um 0,8 Prozentpunkte nimmt derselben Käufergruppe rund 55.000 Euro Kaufkraft — bei identischer Immobilie.

Der Zinseffekt ist in diesem Beispiel also mehr als drei Mal so groß wie der Prognoseeffekt. Das ist kein Argument gegen Wertsteigerung — es ist ein Argument dafür, die Zinsseite ernster zu nehmen als die Preisprognose. Wie stark dieser Hebel wirkt und wie Sie ihn in Ihre Preisstrategie einbauen, zeigt unser Rechner zu Zinsen und Kaufpreis.

Warum die Bundeszahl nichts über Ihr Haus sagt

Die wichtigste Erkenntnis der IW-Prognose ist nicht der Bundestrend, sondern die zunehmende regionale Spreizung. Wachstumsräume konzentrieren sich auf wirtschaftsstarke Metropolregionen, ausgewählte urbane Zentren, Teile Süddeutschlands und gut angebundene Umlandräume. Stagnierende oder rückläufige reale Preise erwartet die Studie häufiger in strukturschwächeren, demografisch schrumpfenden oder peripheren Regionen.

Entscheidend ist dabei laut Studie nicht die Unterscheidung Stadt gegen Land, sondern die wirtschaftliche Zentralität und die Einbindung in dynamische Arbeitsmärkte. Zwei Kreise im selben Bundesland können sich deshalb gegenläufig entwickeln. Für Verkäufer folgt daraus eine unbequeme Konsequenz: Eine bundesweite Prognose von plus 3 Prozent ist für die eigene Preisfindung praktisch wertlos.

Was stattdessen hilft, sind Transaktionsdaten aus der eigenen Lage — Bodenrichtwerte, Vergleichsobjekte, tatsächliche Vermarktungsdauern. Für Nordrhein-Westfalen haben wir die aktuellen Ist-Preise von 30 Städten in einem eigenen Beitrag aufbereitet: Immobilienpreise NRW 2026. Und wo Sie im Markt tatsächlich stehen, klärt eine datenbasierte Immobilienbewertung schneller als jede Prognose.

Die Angebotsseite: Genehmigungen ziehen wieder an

Ein Faktor, der in Prognosen für 2027 häufig unterschätzt wird, ist der Neubau. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 126.300 Wohnungen genehmigt — 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juni allein waren es 21.600 Genehmigungen, ein Plus von 13,8 Prozent.

Zwischen Genehmigung und Bezugsfertigkeit liegen allerdings üblicherweise ein bis drei Jahre. Die Genehmigungen von 2026 wirken also frühestens 2027 und 2028 auf das Angebot — und dann zunächst im Neubausegment. Für Bestandsverkäufer heißt das: Der Nachfrageüberhang, der die Preise derzeit trägt, dürfte 2027 nicht schlagartig verschwinden, aber er wird nicht größer.

Auf der Mietseite bleibt der Druck vorerst bestehen. Die Neuvertragsmieten in Mehrfamilienhäusern stiegen im zweiten Quartal 2026 um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr — stärker als die Kaufpreise. Wer zwischen Verkauf und Vermietung schwankt, findet die Abwägung ausführlich in unserem Ratgeber Haus verkaufen oder vermieten.

Verkaufen oder warten? Eine ehrliche Abwägung

Warten spricht dafürWarten spricht dagegen
Lage in einer wachstumsstarken Region mit dynamischem ArbeitsmarktStrukturschwache oder schrumpfende Region — dort frisst die Zeit den Wert
Kein Zeitdruck, keine offene Finanzierung, keine ErbengemeinschaftLaufende Zinsbindung endet, Scheidung, Erbfall oder Doppelbelastung
Sanierungsstau lässt sich bis dahin wirtschaftlich behebenInstandhaltungskosten, Grundsteuer und Nebenkosten laufen weiter
Objekt ist energetisch gut aufgestelltEnergetisch schwaches Objekt — der Bewertungsabschlag wächst tendenziell

Die nüchterne Rechnung: Ein nominales Plus von rund 3 Prozent auf 500.000 Euro sind etwa 15.500 Euro im Jahr. Dem stehen zwölf Monate Instandhaltung, Grundsteuer, Versicherung und gegebenenfalls Kreditzinsen gegenüber. Wer sein Haus ein Jahr länger hält, zahlt diese Kosten sicher — die Wertsteigerung bekommt er nur vielleicht.

Wichtiger als das Jahr ist ohnehin die Vorbereitung. Ein Verkauf, der mit vollständigen Unterlagen, belastbarer Preisherleitung und professionellen Fotos startet, erreicht in der Regel innerhalb weniger Wochen die zahlungsbereiteste Nachfrage. Ein Verkauf, der mit einem Wunschpreis beginnt und nach zwei Monaten korrigiert werden muss, verliert genau diese Käuferschicht — und zwar unabhängig davon, ob der Markt gerade ein Prozent zulegt oder ein Prozent nachgibt. Die Streuung zwischen gut und schlecht vorbereiteten Verkäufen ist in unserer Erfahrung deutlich größer als die Streuung zwischen zwei aufeinanderfolgenden Marktjahren.

Was Verkäufer jetzt konkret tun sollten

Und die vielleicht wichtigste Einordnung: Prognosen beschreiben Durchschnitte über hunderte Kreise und zehn Jahre. Ihr Verkauf ist ein Einzelereignis in einer konkreten Straße zu einem konkreten Zeitpunkt. Die Prognose kann Ihnen sagen, ob der Markt Rückenwind oder Gegenwind hat. Den Preis macht sie nicht.

Stand: 16. September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr; Prognosen sind Szenarien und keine Zusagen. Ausführungen zu Rechts- und Steuerthemen ersetzen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Quellen: vdp-Immobilienpreisindex Q2/2026 (Verband deutscher Pfandbriefbanken, Pressemitteilung vom 10.08.2026); Institut der deutschen Wirtschaft, IW-Kurzbericht 23/2026 „Wohnimmobilienpreise bis 2035" (18.03.2026); EZB, geldpolitische Beschlüsse vom 10.09.2026; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilungen zu Wohnimmobilienpreisen (Q1/2026) und Baugenehmigungen (Juni und 1. Halbjahr 2026). Zinskorridor für zehnjährige Zinsbindungen: Marktbeobachtung September 2026, Konditionen sind anbieter- und bonitätsabhängig.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

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Die häufigsten Fragen aus unseren Beratungsgesprächen — kompakt beantwortet.

Steigen die Immobilienpreise 2027?

Die vorliegenden Prognosen erwarten ein moderates Plus, keine neue Boomphase. Der IW-Kurzbericht 23/2026 rechnet bis 2035 mit real rund 1,1 Prozent Preissteigerung pro Jahr, nominal etwa 3,1 Prozent bei einer unterstellten Inflation von 2 Prozent. Der vdp-Index weist für das zweite Quartal 2026 bei Wohnimmobilien ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal aus. Eine Prognose ist allerdings keine Zusage: Die EZB hat ihre Leitzinsen 2026 zweimal angehoben, was gegen steigende Preise arbeitet.

Soll ich 2026 verkaufen oder auf 2027 warten?

Das hängt weniger vom Markt ab als von Ihrer Situation. Ein nominales Plus von rund 3 Prozent auf 500.000 Euro sind etwa 15.000 Euro — dem stehen ein weiteres Jahr Zins, Instandhaltung und laufende Kosten gegenüber. Und ein Zinsanstieg von 0,8 Prozentpunkten kann den finanzierbaren Kaufpreis um einen größeren Betrag drücken, als die Preisprognose ihn hebt. Warten lohnt vor allem dort, wo die Region wächst und kein Zeitdruck besteht.

Wie stark beeinflussen die Bauzinsen den Kaufpreis?

Sehr stark, weil Käufer von ihrer Monatsrate rückwärts rechnen. Beispiel: 2.000 Euro Rate, 2 Prozent Anfangstilgung, 120.000 Euro Eigenkapital. Bei 3,5 Prozent Sollzins trägt die Rate ein Darlehen von rund 436.000 Euro, bei 4,3 Prozent nur noch rund 381.000 Euro. Der finanzierbare Kaufpreis sinkt um gut 55.000 Euro — an der Immobilie selbst hat sich nichts verändert.

Wann erreichen die Immobilienpreise wieder das Niveau von 2022?

Nach der Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW-Kurzbericht 23/2026 vom 18. März 2026) dürfte das nominale Preisniveau des Zwischenhochs von 2022 bereits im Jahr 2027 wieder erreicht werden. Das gilt für den bevölkerungsgewichteten Medianpreis in Deutschland — nicht für jede Region und erst recht nicht für jedes einzelne Objekt.

Können die Immobilienpreise 2027 auch fallen?

Regional ja. Der vdp-Gesamtindex gab im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent nach, getragen von Preisrückgängen bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Für Wohnimmobilien erwartet das IW bis 2035 in strukturschwachen, demografisch schrumpfenden Regionen stagnierende oder real rückläufige Kaufpreise, während Metropolräume weiter zulegen. Eine bundesweite Zahl sagt deshalb wenig über Ihr Haus.

Wie zuverlässig sind Immobilienpreis-Prognosen?

Sie sind Szenarien, keine Vorhersagen. Das IW schreibt selbst, Ziel sei keine punktgenaue Vorhersage einzelner Jahreswerte, sondern die Einordnung langfristiger regionaler Entwicklungspotenziale. Kurzfristig dominieren Finanzierungskosten und Konjunktur, und beides lässt sich auf Jahressicht nicht seriös prognostizieren. Für eine Verkaufsentscheidung sind aktuelle Transaktionsdaten aus Ihrer Lage aussagekräftiger als jede Bundesprognose.

Was bedeutet die EZB-Zinserhöhung vom September 2026 für Verkäufer?

Die EZB hat ihre Leitzinsen am 10. September 2026 um 25 Basispunkte angehoben; der Einlagesatz liegt seit dem 16. September 2026 bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Es war die zweite Erhöhung im Jahr 2026. Steigende Zinsen verteuern Kredite und verkleinern das Budget der Käufer. Für Verkäufer heißt das: Der Preis, den der Markt zahlen kann, hängt 2027 stärker an der Zinsentwicklung als an der eigenen Preisvorstellung.

Welche Regionen gewinnen bis 2035, welche verlieren?

Nach der IW-Prognose auf Kreisebene konzentrieren sich die Wachstumsräume auf wirtschaftsstarke Metropolregionen, ausgewählte urbane Zentren, Teile Süddeutschlands und gut angebundene Umlandräume. Stagnierende oder rückläufige Entwicklungen finden sich häufiger in strukturschwächeren, demografisch schrumpfenden oder peripheren Regionen. Entscheidend ist laut Studie weniger Stadt gegen Land als die wirtschaftliche Zentralität und die Einbindung in dynamische Arbeitsmärkte.

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