Immobilien-Lexikon · Steuern & Förderung

Grundsteuer einfach erklärt.

Die jährliche Steuer auf Grundbesitz — seit 1.1.2025 nach dem reformierten Modell berechnet. Wie der neue Grundsteuerwert ermittelt wird, welche Hebesätze in NRW-Städten gelten und welche Auswirkungen die Reform für Eigentümer und Vermieter hat.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Grundsteuer 2026: Grundsteuerreform, Berechnung, Hebesätze

Was ist die Grundsteuer?

Die Grundsteuer ist eine jährliche Realsteuer auf Grundbesitz. Sie wird von der Gemeinde erhoben und gehört zu den wichtigsten kommunalen Einnahmequellen — in vielen NRW-Städten 20-30 % des Haushaltsvolumens.

Es gibt zwei Hauptformen:

Für Privatimmobilien ist nur die Grundsteuer B relevant — daher beziehen sich alle folgenden Angaben auf diese.

Die Grundsteuerreform 2025

Die Reform war seit 2018 unausweichlich. Mit Urteil vom 10. April 2018 (BVerfG 1 BvL 11/14) hatte das Bundesverfassungsgericht die alten Einheitswerte als verfassungswidrig erklärt — sie stammten aus 1964 (West) bzw. 1935 (Ost) und reflektierten nicht mehr die heutigen Wertverhältnisse.

Zeitstrahl

Bundesmodell vs. Länder-Modelle

Die Reform erlaubt den Bundesländern, eigene Modelle zu wählen. NRW hat sich für das Bundesmodell entschieden — wie 11 weitere Bundesländer. Eigene Modelle haben: Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Saarland (Hebesatz-Sonderregelungen).

Berechnung im Detail

Grundformel

Grundsteuer = Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz

1. Grundsteuerwert

Der vom Finanzamt ermittelte Wert nach Bewertungsgesetz. Hängt ab von:

2. Steuermesszahl

Faktor zur Reduktion auf einen Steuermessbetrag:

3. Hebesatz

Wird von jeder Gemeinde individuell festgelegt — daher kommen die deutlichen regionalen Unterschiede zustande. Hebesätze haben sich vor allem in finanziell schwachen Kommunen stark erhöht.

Beispielrechnung — ETW in Düsseldorf

Wohnung 80 m² in Düsseldorf-Bilk, Baujahr 1995, mittlere Wohnlage:

Hebesätze in NRW

Stand 2026 — typische Hebesätze in NRW-Städten:

Stadt Hebesatz GrSt B
Düsseldorf440 %
Köln525 %
Bonn680 %
Essen760 %
Duisburg855 %
Dortmund670 %
Wuppertal920 %
Solingen870 %
Münster510 %
Aachen595 %

Tendenz seit 2025: In den meisten Großstädten wurden die Hebesätze leicht angepasst, um die Reform für die Gemeinde aufkommensneutral zu halten. Einzelne Eigentümer können dennoch deutlich höher oder niedriger belastet werden — je nachdem, wie sich der Grundsteuerwert ihrer konkreten Immobilie zum Durchschnitt verhält.

Auswirkung Vermietung

Umlage auf Mieter

Die Grundsteuer ist nach § 2 Nr. 1 BetrKV eine umlagefähige Betriebskostenposition. Sie wird zusammen mit anderen Betriebskosten anteilig nach Wohnfläche umgelegt.

Beispiel

MFH mit 4 Wohnungen, 320 m² Gesamtwohnfläche, Grundsteuer 1.800 €/Jahr.

Bei Leerstand

Anteilige Grundsteuer für leerstehende Wohnungen trägt der Vermieter — wird also als Werbungskosten geltend gemacht.

Steuerliche Behandlung

Praxis-Hinweise

Grundsteuerbescheid prüfen

Auf dem Bescheid sollten folgende Angaben stimmen:

Einspruch einlegen

Wenn Sie Fehler entdecken: Einspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe. Schriftlich an das Finanzamt mit Angabe der falschen Punkte und Belegen. Bei Erfolg wird der Grundsteuerwert korrigiert.

Beim Verkauf

Geplante Hebesatz-Erhöhungen

Mehrere NRW-Kommunen planen 2026/27 weitere Hebesatz-Erhöhungen wegen Haushaltsproblemen — Solingen, Wuppertal und einige Ruhrgebietsstädte. Bei Verkauf in solchen Lagen können Käufer mit anstehenden Erhöhungen argumentieren.

Strategien zur Minimierung

Mein Rat: Prüfen Sie Ihren neuen Grundsteuerbescheid genau. Allein in NRW haben wir gesehen, dass etwa 15-20 % der Bescheide fehlerhafte Angaben enthielten (falsche Wohnfläche, falsche Lage, falsches Baujahr). Ein Einspruch kostet Sie nur einen Brief — kann aber jährlich mehrere hundert Euro Grundsteuer sparen. Über 30-40 Jahre Eigentum sind das schnell 10.000-20.000 € Differenz.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Grundsteuer" — kompakt beantwortet.

Was ist die Grundsteuer?

Eine jährliche Realsteuer auf Grundbesitz nach dem Grundsteuergesetz (GrStG). Wird vom Eigentümer an die Gemeinde gezahlt. Unabhängig davon, ob die Immobilie selbst genutzt oder vermietet wird. Bei Vermietung als Betriebskosten umlegbar.

Was hat sich durch die Reform geändert?

Seit 1. Januar 2025 wird die Grundsteuer auf Basis des reformierten Modells berechnet. Hintergrund: BVerfG-Urteil vom 10.04.2018 erklärte die alten Einheitswerte für verfassungswidrig. Neues Berechnungsmodell: Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz. NRW nutzt das Bundesmodell.

Wie berechnet sich die neue Grundsteuer?

Grundsteuer = Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz. Grundsteuerwert: ermittelt vom Finanzamt basierend auf Bodenrichtwert, Wohnfläche, Baujahr, Mietniveau. Steuermesszahl: 0,031 % für Wohngrundstücke, 0,034 % für Sonstige. Hebesatz: festgelegt von der Gemeinde, in NRW typisch 400-900 %.

Wie hoch ist die Grundsteuer in NRW typisch?

Stark abhängig von Lage und Gemeinde: Düsseldorf 440 %, Köln 525 %, Essen 760 %, Wuppertal 920 %, Solingen 870 %. Für eine ETW 80 m² in mittlerer Lage typisch 300-800 € pro Jahr; für ein EFH typisch 600-1.500 € pro Jahr.

Kann ich die Grundsteuer auf Mieter umlegen?

Ja — die Grundsteuer ist nach Betriebskostenverordnung (BetrKV) eine umlagefähige Betriebskostenposition. Sie wird zusammen mit anderen Betriebskosten anteilig nach Wohnfläche auf die Mieter umgelegt. Bei selbst genutzten Immobilien trägt der Eigentümer die volle Grundsteuer.

Kann ich gegen den Grundsteuerbescheid widersprechen?

Ja — Einspruch innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe des Grundsteuerwertbescheids. Häufige Streitpunkte: falsche Wohnfläche, falsche Lageklassifizierung, falsches Baujahr. Bei Erfolg wird der Grundsteuerwert korrigiert. Bei abgewiesenem Einspruch ist Klage vor dem Finanzgericht möglich.

Ihre Grundsteuer prüfen lassen?

Wir prüfen mit Ihnen Ihren neuen Grundsteuerbescheid auf typische Fehler und beraten zu Einspruchsmöglichkeiten — damit Sie nicht jahrelang zu viel zahlen.