Effektivzins vs. Sollzins 2026: Der Unterschied erklärt | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Finanzierung

Effektivzins vs. Sollzins.

Die zwei Zinssätze, die Banken bei jedem Kreditangebot ausweisen — nur einer ist für den Vergleich aussagekräftig. Was den Unterschied macht und warum die PAngV Banken zur Transparenz zwingt.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert19. Mai 2026
Lesezeit5 Min.

Effektivzins vs. Sollzins: Der entscheidende Unterschied

Was ist der Sollzins?

Der Sollzins — auch Nominalzins genannt — ist der reine Zinssatz, den die Bank auf die Darlehenssumme berechnet. Aus ihm leitet sich die Höhe der monatlichen Zinsbelastung ab.

Bei einem Sollzins von 4 Prozent und einer Darlehenssumme von 300.000 Euro zahlt man im ersten Monat 1.000 Euro Zinsen (300.000 × 4 % / 12). Diese Zahl ist die Basis der monatlichen Rate eines Annuitätendarlehens.

Was der Sollzins nicht enthält: Bearbeitungsgebühren, Disagio, Schätzgebühren, Vermittlungsprovisionen. Genau diese verstecken sich in den Vertragsbedingungen — und können den tatsächlichen Kreditpreis spürbar erhöhen.

Was ist der Effektivzins?

Der Effektivzins bildet die tatsächliche Belastung ab. Er rechnet alle bekannten Nebenkosten in den Zinssatz ein und macht so verschiedene Kreditangebote vergleichbar. Wesentlich:

Was nicht enthalten ist: Notar- und Grundbuchkosten (variieren nach Notar), Grunderwerbsteuer, Versicherungen. Diese Posten sind bankunabhängig.

Der Unterschied im Beispiel

Zwei Banken bieten beide 300.000 Euro Darlehen über 10 Jahre Zinsbindung an:

Bank B sieht beim Sollzins günstiger aus (3,60 % vs. 3,80 %), aber der Effektivzins zeigt: Bank B ist die bessere Wahl. Der Unterschied im Sollzins (0,20 Prozentpunkte) wird durch die Bearbeitungsgebühr nicht vollständig kompensiert — aber das sieht man nur über den Effektivzins.

Die PAngV-Regel

Damit Verbraucher nicht von attraktiven Sollzinsen geblendet werden, schreibt die Preisangabenverordnung (PAngV) seit 2010 vor: Bei jeder Kreditangebot muss der Effektivzins mindestens so prominent wie der Sollzins ausgewiesen werden.

In der Praxis stehen beide Werte im Vertrag, in der Online-Werbung, im Kreditangebot. Wer beide vergleicht, kann die wahre Kostenstruktur einschätzen.

Wichtige Einschränkung: Der Effektivzins gilt nur für die Zinsbindungsdauer. Nach Ablauf wird ein neuer Effektivzins für die Anschlussfinanzierung berechnet — mit aktuellen Marktzinsen.

Richtig vergleichen — drei Tipps

Banken-Wechselbörsen wie Interhyp, Dr. Klein oder Hüttig & Rompf zeigen automatisch nur den Effektivzins — gute Orientierung, aber das individuelle Angebot Ihrer Hausbank kann besser sein. Holen Sie zwei oder drei Vergleichsangebote ein, bevor Sie unterschreiben.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Kreditnehmer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu Effektiv- und Sollzins — kompakt beantwortet.

Was ist der Unterschied zwischen Soll- und Effektivzins?

Der Sollzins ist der reine Zinssatz auf die Darlehenssumme. Der Effektivzins enthält zusätzlich alle Nebenkosten — Bearbeitungsgebühren, Disagio, Schätzgebühren — und ist deshalb der echte Vergleichsmaßstab zwischen Krediten.

Warum ist der Effektivzins immer höher als der Sollzins?

Weil er die Zusatzkosten einrechnet. Bei einem Sollzins von 4,0 % kann der Effektivzins durchaus 4,15 oder 4,30 % betragen — je nachdem, welche Gebühren die Bank verlangt.

Welcher Zins ist für den Vergleich relevant?

Immer der Effektivzins. Banken müssen ihn nach Preisangabenverordnung (PAngV) ausweisen. Wer nur den Sollzins vergleicht, übersieht die wahren Kosten und vergleicht Äpfel mit Birnen.

Welche Kosten fließen in den Effektivzins ein?

Bearbeitungsgebühren, Disagio (Vorab-Zinsabzug), Schätzgebühren für die Beleihungswertermittlung, Provisionen, mögliche Kontoführungsgebühren. Nicht eingeschlossen: Grundschuldbestellungskosten, da diese unabhängig von der Bank anfallen.

Warum sind manche Banken-Werbungen mit dem Sollzins gefährlich?

Weil Sollzinsen niedriger wirken. Eine Bank mit 3,5 % Sollzins, aber hohen Bearbeitungsgebühren, kann effektiv teurer sein als eine andere mit 3,7 % Sollzins ohne Gebühren. Nur der Effektivzins macht den ehrlichen Vergleich möglich.

Gilt der Effektivzins auch nach Ablauf der Zinsbindung?

Nein. Der Effektivzins gilt nur für die Zinsbindungsdauer — er enthält Annahmen über die Tilgungsentwicklung. Nach Ablauf wird mit dem dann gültigen Anschlusszins neu kalkuliert.

Privatverkauf — ohne Bankgebühr.

Wer privat verkauft, vermeidet die 7,14 Prozent Maklerprovision — die in den Kosten oft höher schlägt als jede Bankgebühr. Wir liefern die Verkaufsabwicklung zum Festpreis.