Zweitwohnsitzsteuer 2026: NRW-Städte, Berechnung, Befreiungen | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Steuern & Förderung

Zweitwohnsitzsteuer.

Die kommunale Aufwandsteuer auf Zweitwohnsitze. In NRW erheben sie nur wenige Gemeinden, in touristischen Regionen flächendeckend. Wie sie berechnet wird, welche Befreiungen es gibt und was Eigentümer einer Zweitimmobilie beachten müssen.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Zweitwohnsitzsteuer 2026: NRW-Städte, Berechnung, Befreiungen

Was ist die Zweitwohnsitzsteuer?

Die Zweitwohnsitzsteuer (auch Zweitwohnungsteuer) ist eine kommunale Aufwandsteuer nach Art. 105 Abs. 2a GG. Sie wird auf das Innehaben einer Zweitwohnung im Gemeindegebiet erhoben — also auf die Tatsache, dass jemand neben seinem Hauptwohnsitz noch eine weitere Wohnung in der Gemeinde unterhält.

Anders als die Grundsteuer trifft sie nicht den Eigentümer wegen seines Grundbesitzes, sondern den Nutzer einer Zweitwohnung wegen seines Aufwands für diese zusätzliche Wohnung. Bei Eigentümer-Selbstnutzung also den Eigentümer; bei Vermietung den Mieter, falls dieser dort einen Zweitwohnsitz hat.

Die Steuer ist eine kommunale Kompetenz — jede Gemeinde entscheidet, ob und wie hoch sie sie erhebt. Hauptmotivation: zusätzliche kommunale Einnahmen und Anreize für Bürger, ihren Hauptwohnsitz in der Gemeinde zu nehmen (wodurch die Gemeinde mehr Einkommensteuer-Anteil erhält).

Berechnung im Detail

Bemessungsgrundlage

Die Bemessungsgrundlage variiert nach Gemeinde, meist:

Hebesätze in NRW

Stadt Hebesatz
Köln10 %
Bonn10 %
Aachen10 %
Münster10 %
Dortmund12 %
Wuppertal10 %
Düsseldorf— (keine Erhebung)
Essen— (keine Erhebung)
Bochum— (keine Erhebung)

Stand 2026 — aktuelle Hebesätze auf den Gemeinde-Webseiten prüfen. In touristischen Regionen wie Eifel, Sauerland, Bayerischer Wald oft 10-20 %.

Berechnungs-Beispiel Köln

Selbst genutzte ETW als Zweitwohnung, 75 m² Wohnfläche, ortsübliche Miete 14 €/m².

Berechnungs-Beispiel touristische Region

Ferienwohnung in Cochem (Mosel), 50 m², Hebesatz 20 %, ortsübliche Vergleichsmiete 10 €/m².

Lage in NRW

NRW ist im Vergleich zu Bayern oder Schleswig-Holstein eher zurückhaltend bei der Zweitwohnsitzsteuer:

Großstädte

Touristische Regionen

In den meisten ländlichen NRW-Gemeinden wird keine Zweitwohnsitzsteuer erhoben.

Befreiungen

Studierende

Nach BVerfG-Rechtsprechung können Studierende, deren Erstwohnsitz bei den Eltern liegt und die für das Studium eine Zweitwohnung in der Hochschulstadt benötigen, von der Steuer befreit sein. Voraussetzung: Antrag mit Studienbescheinigung. Manche Gemeinden gewähren die Befreiung automatisch, andere nicht — Einzelfall prüfen.

Verheiratete mit beruflichem Doppelwohnsitz (BVerfG 2005)

Eine Schlüssel-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (1 BvR 1232/00 vom 11.10.2005): Wenn der Ehepartner berufsbedingt einen Doppelwohnsitz unterhält, ist die Zweitwohnsitzsteuer verfassungswidrig — soweit sie auf das Innehaben dieser Zweitwohnung erhoben wird. Folge: Berufsbedingte Doppelwohnsitze für Verheiratete sind in der Regel steuerfrei.

Pflegeheim-Bewohner

Wer aus gesundheitlichen Gründen in einem Pflegeheim wohnt und seinen ursprünglichen Wohnsitz behält, kann von der Zweitwohnsitzsteuer befreit sein — die Pflegewohnung wird nicht als „Zweitwohnung“ im Sinne der Steuer behandelt.

Berufliche Notwendigkeit

Sonstige Befreiungen

An- und Abmeldung

Anmeldung

Wer eine Zweitwohnung bezieht, muss diese beim Einwohnermeldeamt anmelden — gleichzeitig wird die Steuerpflicht festgestellt. Die Anmeldung erfolgt in der Regel innerhalb von 2 Wochen nach Einzug.

Erfassung durch die Gemeinde

Die Gemeinde versendet daraufhin ein Erhebungsformular zur Zweitwohnsitzsteuer. Pflichtangaben:

Abmeldung

Bei Aufgabe der Zweitwohnung muss sofort beim Einwohnermeldeamt abgemeldet werden. Erst dann endet die Steuerpflicht. Nachträgliche Abmeldungen werden meist nicht rückwirkend anerkannt.

Steuerhinterziehung durch falsche Wohnsitzangabe

Wer den Erstwohnsitz fingiert in einer Gemeinde anmeldet, in der niedrigere oder keine Zweitwohnsitzsteuer erhoben wird, riskiert Bußgelder und Steuernachzahlungen. Die Gemeinden gleichen ihre Daten heute zunehmend ab — und finden Diskrepanzen schnell heraus.

Praxis-Hinweise

Bei beruflicher Zweitwohnung

Bei Ferienwohnungs-Besitz

Bei Verkauf einer Zweitwohnung

Auswirkung auf den Wert

Eine hohe Zweitwohnsitzsteuer kann die Attraktivität für Ferienkäufer reduzieren. Bei einem Hebesatz von 20 % und einer 50-m²-Ferienwohnung in der Eifel bedeutet das 1.200 €/Jahr zusätzliche Kosten — übersetzt in Ertragswert (4 % LZS) sind das ca. 30.000 € Wertverlust. Verkäufer sollten die Steuer in ihrer Kalkulation berücksichtigen.

Mein Rat: Wer eine Zweitimmobilie besitzt, sollte die jährliche Zweitwohnsitzsteuer-Belastung in die Wirtschaftlichkeitsrechnung einbeziehen. Bei einer geplanten Eigennutzung in einer steuerpflichtigen Gemeinde ist eine Vermietung statt Eigennutzung oft die wirtschaftlich klügere Variante — keine Zweitwohnsitzsteuer, dazu noch Mieteinnahmen und Werbungskostenabzug. Erst bei tatsächlicher überwiegender Eigennutzung lohnt sich der Verzicht auf die Vermietung.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Zweitwohnsitzsteuer" — kompakt beantwortet.

Was ist die Zweitwohnsitzsteuer?

Eine kommunale Aufwandsteuer auf das Innehaben einer Zweitwohnung im Gemeindegebiet. Rechtsgrundlage Art. 105 Abs. 2a GG und kommunale Satzungen. Wird vom Einwohner — nicht vom Eigentümer — bezahlt, sofern Hauptwohnsitz woanders ist. Hebesätze 5-35 % je nach Gemeinde.

Wo wird die Zweitwohnsitzsteuer in NRW erhoben?

Nur in einzelnen Städten: Köln (10 %), Bonn (10 %), Münster (10 %), Aachen (10 %), Düsseldorf (KEINE Zweitwohnsitzsteuer), in touristischen Regionen (Eifel, Sauerland, Niederrhein). Mehrheit der NRW-Kommunen erhebt sie nicht. Aktueller Stand auf den Gemeinde-Webseiten prüfen.

Wie wird die Steuer berechnet?

Bemessungsgrundlage typisch die Nettokaltmiete der Wohnung × Hebesatz. Bei selbst genutzten Wohnungen wird die ortsübliche Vergleichsmiete angesetzt. Beispiel Köln: ETW 60 m² × 14 €/m² = 840 €/Monat = 10.080 €/Jahr × 10 % = 1.008 € Zweitwohnsitzsteuer pro Jahr.

Wer muss die Steuer zahlen?

Der Inhaber der Zweitwohnung — also derjenige, der die Wohnung neben seinem Hauptwohnsitz nutzt. Bei Eigentümer-Selbstnutzung: der Eigentümer. Bei Vermietung an einen Mieter, der dort einen Zweitwohnsitz hat: der Mieter. Bei vermieteten Wohnungen, die der Mieter als Erstwohnsitz nutzt: keine Steuer.

Gibt es Befreiungen?

Ja: Studierende mit Erstwohnsitz bei den Eltern, Verheiratete mit beruflichem Doppelwohnsitz (BVerfG 2005), Pflegeheim-Bewohner, Soldaten und Berufstätige mit auswärtiger Tätigkeit. Befreiungen müssen einzeln beantragt und nachgewiesen werden.

Ist die Zweitwohnsitzsteuer steuerlich absetzbar?

Bei beruflich bedingter Zweitwohnung als doppelte Haushaltsführung (§ 9 EStG): Ja, voll abzugsfähig bis 1.000 €/Monat (Werbungskosten). Bei privater Zweitwohnung (Ferienwohnung): nein, nicht abzugsfähig. Bei Vermietung als Werbungskosten beim Vermieter — sofern der Vermieter zahlt.

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