Vor- und Nacherbschaft 2026: §§ 2100-2146 BGB, Steuervorteile, Praxis | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Erbe & Schenkung

Vor- und Nacherbschaft.

Das gestaffelte Erbmodell nach §§ 2100-2146 BGB — Vorerbe nutzt das Vermögen, Nacherbe übernimmt nach dessen Tod. Komplex, aber mit erheblichen Steuervorteilen und Schutz vor unerwünschter Vermögensverschiebung. Wann es sich für Immobilienbesitzer lohnt.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Vor- und Nacherbschaft 2026: §§ 2100-2146 BGB, Steuervorteile, Praxis

Was ist Vor- und Nacherbschaft?

Die Vor- und Nacherbschaft ist ein gestaffeltes Erbmodell nach §§ 2100-2146 BGB. Der Erblasser bestimmt im Testament oder Erbvertrag zwei Erben in zeitlicher Reihenfolge:

  1. Vorerbe: Wird zunächst Erbe, nutzt das Vermögen
  2. Nacherbe: Wird nach einem bestimmten Ereignis (typisch Tod des Vorerben) Erbe

Der Vorerbe ist echter Eigentümer während seiner Zeit, hat aber weitreichende Beschränkungen, um den Nacherben zu schützen. Mit Eintritt des bestimmten Ereignisses geht das Vermögen automatisch auf den Nacherben über.

Zweck der Konstruktion

Rechte und Pflichten

Rechte des Vorerben

Beschränkungen (§§ 2112-2115 BGB)

Rechte des Nacherben

Anwartschaftsrecht des Nacherben

Der Nacherbe hat eine Anwartschaft — er ist noch nicht Erbe, aber sein Recht ist:

Befreite vs. nicht-befreite Vorerbschaft

Nicht-befreite Vorerbschaft (Standard)

Bei der Standard-Konstruktion gilt:

Befreite Vorerbschaft (§ 2136 BGB)

Der Erblasser kann den Vorerben von fast allen Beschränkungen befreien:

Was bleibt — auch bei befreiter Vorerbschaft

Wahl der Form

Steuervorteile

Zwei Erbgänge — zwei Freibeträge

Der wichtigste Vorteil: steuerlich werden zwei separate Erbgänge angenommen:

  1. Vorerbfall mit dem Tod des Erblassers
  2. Nacherbfall mit dem Eintritt des Nacherbfalls (Tod des Vorerben)

Jeder Erbgang hat eigene Freibeträge nach dem ErbStG.

Beispielrechnung — klassische Konstruktion

Vater hinterlässt 1.000.000 € Vermögen. Wählt zwischen:

Variante A: Klassische Erbeinsetzung

Variante B: Vor- und Nacherbschaft (Ehefrau Vor-, Kind Nacherbe)

Gegenüberstellung

Klassische Erbeinsetzung kann steuergünstiger sein. Vor- und Nacherbschaft ist steuerlich nicht immer optimal — aber:

Wahlrecht des Nacherben

Bei der Steuerfestsetzung kann der Nacherbe wählen, wen er steuerlich beerbt — den Vorerben oder den ursprünglichen Erblasser. Vorteil: Nutzung des günstigeren Steuersatzes/Freibetrags.

Typische Anwendungsfälle

1. Patchwork-Familie mit Schutzbedarf

Zweite Ehe, Kinder aus erster Ehe sollen das Familienvermögen erhalten. Vater bestimmt:

So bleiben das Haus und Familienvermögen geschützt — auch wenn die Stiefmutter wieder heiratet oder eigene Kinder hat.

2. Behinderten-Testament

Behindertes Kind erhält Sozialhilfe. Bei direktem Erbe würde die Sozialhilfe entfallen. Lösung:

Folge: Sozialamt kann nicht auf das Vermögen zugreifen, die Sozialhilfe bleibt erhalten.

3. Generationenvermögen

Vermögen über mehrere Generationen sichern. Großvater bestimmt:

Das Vermögen bleibt in der Familie — und Schwiegerkinder oder Stiefkinder können es nicht erlangen.

4. Unternehmensnachfolge

Familienunternehmen soll an einen bestimmten Nachfolger:

5. Schutz vor Wiederheirat

Häufige Befürchtung in Berliner Testamenten: Was, wenn der überlebende Ehegatte wieder heiratet? Lösung:

Nachteile und Risiken

Komplexität

Eingeschränkte Verfügung des Vorerben

Steuerliche Nachteile bei kleineren Vermögen

Bei Vermögen unterhalb der Freibeträge kann die Vor- und Nacherbschaft steuerlich teurer sein als die klassische Erbeinsetzung. Vor allem bei Ehegatten-Konstellation oft nicht optimal.

Verwaltungsaufwand

Konfliktrisiken

Wann besser klassisches Testament?

Mein Rat aus 20 Jahren Praxis: Die Vor- und Nacherbschaft ist ein mächtiges Instrument — vor allem in komplexen Familienkonstellationen. Aber sie ist rechtlich anspruchsvoll und nicht für jede Situation passend. Vor jeder Entscheidung umfassend beraten lassen: Notar plus Fachanwalt für Erbrecht plus Steuerberater. 3.000-7.000 € Beratungskosten sparen oft fünf- bis sechsstellige Streitigkeiten und Fehlsteuern.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Vor- und Nacherbschaft" — kompakt beantwortet.

Was ist Vor- und Nacherbschaft?

Ein gestaffeltes Erbmodell nach §§ 2100-2146 BGB: Erbe A (Vorerbe) wird zunächst Erbe, mit einem bestimmten Ereignis (Tod, Heirat etc.) geht das Vermögen automatisch auf Erbe B (Nacherbe) über. Zwei Erbgänge nacheinander. Häufig bei Patchwork-Familien oder Familienschutz eingesetzt.

Welche Rechte hat der Vorerbe?

Er nutzt das Vermögen, erhält Erträge (Mieten, Zinsen) und kann meist über bewegliches Vermögen frei verfügen. Aber: Über Immobilien und wesentliche Vermögensgegenstände darf er nicht ohne Zustimmung des Nacherben verfügen — § 2113 BGB. Schutz vor Vermögensverschiebung.

Was ist die befreite Vorerbschaft?

Wenn der Erblasser den Vorerben von den meisten Beschränkungen befreit hat (§ 2136 BGB). Der befreite Vorerbe darf weitgehend frei über das Vermögen verfügen — auch über Immobilien. Schutz des Nacherben ist dann schwächer. Häufig bei Ehegatten-Konstellation gewählt.

Welcher Steuervorteil entsteht?

Bei Vor- und Nacherbschaft kommt es zu zwei Erbgängen — und damit zwei Mal Freibetrag. Beispiel: Vermögen 1 Mio €, Vorerbe Ehegatte (Freibetrag 500.000 €), Nacherbe Kind (Freibetrag 400.000 €). Steuerlich werden beide Freibeträge separat angewendet. Erhebliche Ersparnis möglich.

Wann wird die Vor- und Nacherbschaft eingesetzt?

Typische Fälle: Patchwork-Familien (Schutz von Kindern aus erster Ehe), Unternehmensnachfolge, Vermögensschutz über mehrere Generationen, Schutz behinderter Erben (Behinderten-Testament). Sehr flexibel — aber rechtlich komplex.

Was passiert mit den Schulden des Vorerben?

Persönliche Schulden des Vorerben können nicht in das Nacherbe vermögen vollstreckt werden (§ 2115 BGB) — Schutz des Nacherbenvermögens. Allerdings: Erträge aus dem Vermögen (Mieten, Zinsen) gehören dem Vorerben und sind für seine Gläubiger erreichbar.

Vermögen über Generationen schützen?

Wir vermitteln Notare und Fachanwälte für Erbrecht, die Vor- und Nacherbschaften rechtssicher gestalten — mit klaren Verwaltungsregeln und steuerlicher Optimierung.