Vermächtnis 2026: §§ 2147-2191 BGB, Unterschied Erbe, Vermächtnisnehmer | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Erbe & Schenkung

Vermächtnis, einfach erklärt.

Die Zuweisung einzelner Vermögensgegenstände oder Geldbeträge an bestimmte Personen — ohne diese zu Erben zu machen. Geregelt in §§ 2147-2191 BGB. Wie Vermächtnisse funktionieren und warum sie in der Nachlassplanung oft genau das Richtige sind.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Vermächtnis 2026: §§ 2147-2191 BGB, Unterschied Erbe, Vermächtnisnehmer

Was ist ein Vermächtnis?

Das Vermächtnis ist die Zuweisung einzelner Vermögensgegenstände oder Geldbeträge an bestimmte Personen — ohne diese zu Erben zu machen. Geregelt ist es in den §§ 2147-2191 BGB. Es ist eine der wichtigsten Gestaltungsmöglichkeiten in Testamenten und Erbverträgen.

Grundkonstruktion

Typische Anwendungsfälle

Vermächtnis vs. Erbe

Wesentliche Unterschiede

Aspekt Erbe Vermächtnis
RechtsstellungGesamtrechtsnachfolgerSchuldrechtlicher Anspruch
Erwerb des VermögensDirekt mit TodÜber Erben
Haftung für SchuldenJaNein
PflichtteilsanspruchJa (wenn enterbt)Nein
Erbschein nötigJa, meistNein
AnspruchsdurchsetzungAutomatischAktiv einfordern

Wann was wählen?

Beispiel

Erblasser hat Wohnung (300.000 €), Sparvermögen (150.000 €) und Schmucksammlung (80.000 €).

Die Tochter ist Erbin (haftet auch für Schulden), Enkel und Freundin sind Vermächtnisnehmer (haben nur Anspruch auf ihren Gegenstand).

Arten von Vermächtnissen

1. Stückvermächtnis

Konkreter Gegenstand wird vermacht: „Ich vermache meiner Tochter mein Familienfoto-Album“. Wenn der Gegenstand nicht mehr im Nachlass ist (z.B. verkauft): kein Ersatzanspruch — außer bei vom Erblasser zu vertretendem Wegfall.

2. Gattungsvermächtnis

Vermachung einer Sache gleicher Art und Güte: „Ich vermache meinem Sohn ein Auto im Wert von 30.000 €“. Erbe wählt das konkrete Stück aus dem Nachlass oder kauft eines.

3. Geldvermächtnis

Bestimmter Geldbetrag wird vermacht: „Ich vermache meiner Enkelin 25.000 € in bar“. Häufig bei Wertübertragungen ohne konkreten Gegenstand.

4. Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB)

Ein Miterbe erhält einen Gegenstand zusätzlich zu seinem Erbteil. Beispiel: „Mein Sohn Max erbt zu 50 %, vorab vermache ich ihm meine Werkstatt“. Die Werkstatt wird auf seinen Erbteil nicht angerechnet.

5. Untervermächtnis (§ 2186 BGB)

Vermächtnisnehmer wird selbst beschwert, ein weiteres Vermächtnis zu erfüllen: „Ich vermache meinem Bruder das Auto. Er muss daraus 5.000 € an seine Tochter zahlen.“

6. Wahlvermächtnis (§ 2154 BGB)

Vermächtnisnehmer hat die Wahl zwischen mehreren Gegenständen: „Ich vermache meiner Nichte wahlweise mein Klavier oder meine Geige“.

7. Supervermächtnis

Eine Sonderform: Der überlebende Ehegatte (als Alleinerbe) kann die Höhe und Person des Vermächtnisses selbst bestimmen. Häufig in Berliner Testamenten zur Steueroptimierung. Erlaubt Flexibilität nach dem ersten Erbfall.

8. Zweckvermächtnis (§ 2156 BGB)

Vermächtnis für einen bestimmten Zweck — z.B. „Ich vermache meiner Stiftung 50.000 € für die Förderung obdachloser Menschen“.

Vermächtnisanspruch

Entstehung

Der Anspruch des Vermächtnisnehmers entsteht mit Eintritt des Erbfalls (§ 2176 BGB), also mit dem Tod des Erblassers. Vorausgesetzt, der Vermächtnisnehmer hat den Erbfall erlebt (sonst Wegfall, sofern keine Ersatzberufung).

Fälligkeit

Durchsetzung

Wenn die Erben das Vermächtnis nicht freiwillig erfüllen:

  1. Schriftliche Aufforderung mit angemessener Frist
  2. Anwaltliche Mahnung bei Verweigerung
  3. Klage vor dem Zivilgericht — Streitwert: Wert des Vermächtnisses
  4. Zwangsvollstreckung nach Urteil

Verjährung

Der Vermächtnisanspruch verjährt nach 3 Jahren ab Kenntnis vom Erbfall und Vermächtnis (§ 195 BGB). Bei Immobilien-Vermächtnissen 10 Jahre.

Bei Wegfall des Gegenstands

Wenn der vermachte Gegenstand vor dem Erbfall nicht mehr existiert:

Steuerliche Behandlung

Erbschaftssteuer

Vermächtnisse fallen unter Erbschaftssteuer (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Behandlung wie Erbe:

Optimierung durch Vermächtnisse

Vermächtnisse sind ein wichtiges Instrument der Erbschaftssteuer-Optimierung. Beispiele:

Beispiel 1: Familienheim-Befreiung nutzen

Ehepartner als Alleinerbe → Familienheim ist nach § 13 ErbStG steuerfrei. Kinder erhalten vermächtnisweise Geld → eigene Freibeträge nutzen.

Beispiel 2: Mehrere Bedachte

Erblasser hinterlässt 1 Mio €. Statt nur einen Sohn als Alleinerben (nutzt 400.000 € Freibetrag), kann er den Sohn als Erben und Tochter, Enkel als Vermächtnisnehmer einsetzen — drei Freibeträge nutzbar.

Beispiel 3: Vermächtnis statt Erbe für Lebensgefährten

Lebensgefährte hat nur 20.000 € Freibetrag (Klasse III). Anstelle Erbeinsetzung kann gezielter Vermächtnisbetrag minimiert werden, der Rest geht an Familienangehörige mit höheren Freibeträgen.

Erbe haftet für Vermächtnissteuer?

Nein — der Vermächtnisnehmer trägt seine eigene Erbschaftssteuer. Allerdings kann der Erblasser im Testament anordnen, dass die Steuer aus dem Nachlass gezahlt wird (Brutto-Vermächtnis).

Praxis-Tipps

Bei der Testamentsgestaltung

Steueroptimierung

Bei der Durchsetzung

Häufige Fehler

Mein Rat aus 20 Jahren Praxis: Vermächtnisse sind ein extrem flexibles Instrument der Nachlassgestaltung. Sie ermöglichen gezielte Zuwendungen ohne die Komplexität der Erbeinsetzung. Bei größeren Vermögen können durch geschickte Kombination von Erbe und Vermächtnissen erhebliche Erbschaftssteuern gespart werden. Vor allem in komplexen Familien-Konstellationen lohnt sich die Beratung durch Fachanwalt für Erbrecht und Steuerberater.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Vermächtnis" — kompakt beantwortet.

Was ist ein Vermächtnis?

Die Zuweisung eines bestimmten Vermögensgegenstands oder Geldbetrags an eine bestimmte Person durch Testament oder Erbvertrag nach §§ 2147-2191 BGB. Der Bedachte (Vermächtnisnehmer) wird nicht Erbe, sondern hat einen Anspruch gegen die Erben auf Erfüllung des Vermächtnisses.

Was ist der Unterschied zum Erbe?

Erbe: tritt automatisch in alle Rechte und Pflichten des Erblassers ein (Gesamtrechtsnachfolge), bekommt Vermögen direkt. Vermächtnisnehmer: hat nur schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben, muss diesen ggf. einfordern, bekommt nur den konkret bezeichneten Gegenstand. Vermächtnisnehmer haftet auch nicht für Nachlassverbindlichkeiten.

Welche Arten gibt es?

Stückvermächtnis: konkreter Gegenstand (Schmuck, Auto, Immobilie). Geldvermächtnis: bestimmter Geldbetrag. Vorausvermächtnis: Miterbe erhält Gegenstand zusätzlich zu seinem Erbteil. Untervermächtnis: Vermächtnisnehmer muss eigenes Vermächtnis an Dritten erfüllen. Supervermächtnis: Erbe kann Vermächtnishöhe selbst festlegen.

Wann fällt das Vermächtnis an?

Mit Eintritt des Erbfalls entsteht der Anspruch (§ 2176 BGB) — der Vermächtnisnehmer kann ab dem Todestag die Erfüllung verlangen. Fälligkeit: typisch sofort, sofern der Erblasser nichts anderes bestimmt hat. Verjährung: nach 3 Jahren ab Kenntnis vom Vermächtnis.

Wie wird das Vermächtnis steuerlich behandelt?

Wie ein Erwerb von Todes wegen — fällt unter Erbschaftssteuer. Vermächtnisnehmer hat eigene Freibeträge entsprechend seiner Beziehung zum Erblasser. Bei Kindern/Ehegatten: hohe Freibeträge nutzbar — wichtig für Steuerplanung bei großen Nachlässen.

Was, wenn das Vermächtnis nicht erfüllt wird?

Der Vermächtnisnehmer hat einen schuldrechtlichen Anspruch gegen die Erben. Bei Weigerung: Klage vor dem Zivilgericht möglich. Bei Wertvermächtnissen haftet die Erbenschaft mit dem Nachlass. Wenn der vermachte Gegenstand nicht mehr existiert: in der Regel kein Ersatz (außer bei vom Erblasser zu vertretendem Wegfall).

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