Vergleichswertverfahren 2026: Funktionsweise, Datenquellen, Praxis | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Bewertung & Preis

Vergleichswertverfahren, einfach erklärt.

Das häufigste Bewertungsverfahren für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser nach § 24 ImmoWertV. Wie es funktioniert, welche Daten Gutachter nutzen und warum es in homogenen Lagen besonders genau ist.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Vergleichswertverfahren 2026: Funktionsweise, Datenquellen, Praxis

Was ist das Vergleichswertverfahren?

Das Vergleichswertverfahren ist nach § 24 Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) eines von drei normierten Bewertungsverfahren in Deutschland — neben Ertragswert- und Sachwertverfahren. Es ist das mit Abstand häufigste Verfahren bei Wohnimmobilien, weil es einen entscheidenden Vorteil hat: Es beruht auf tatsächlich erzielten Marktpreisen, nicht auf theoretischen Modellrechnungen.

Die Idee ist denkbar einfach: Wenn ein gleichartiges Haus in der gleichen Lage vor sechs Monaten für 480.000 Euro verkauft wurde und ein ähnliches Objekt vor drei Monaten für 510.000 Euro, dann liegt der Wert unserer Immobilie höchstwahrscheinlich in diesem Bereich. Genau diese Logik schreibt § 24 ImmoWertV vor.

Drei normierte Bewertungsverfahren in Deutschland

  1. Vergleichswertverfahren (§ 24 ImmoWertV) — Marktpreise vergleichbarer Objekte
  2. Ertragswertverfahren (§§ 27-34 ImmoWertV) — Kapitalisierung der Mieterträge
  3. Sachwertverfahren (§§ 35-39 ImmoWertV) — Herstellungskosten plus Bodenwert

Das Vergleichswertverfahren ist der Standard für ETW und EFH, weil hier eine breite Markt-Datenbasis vorliegt.

Ablauf in 4 Schritten

1. Auswahl der Vergleichsobjekte

Der Gutachter sucht nach tatsächlich verkauften Objekten mit möglichst ähnlichen Eigenschaften: Lage, Größe, Baujahr, Ausstattung, Zuschnitt. Üblich sind 5-15 Vergleichsobjekte aus den letzten 12-24 Monaten. Bei dünner Datenlage kann der Zeitraum auf bis zu 36 Monate ausgedehnt werden.

2. Anpassung an Unterschiede

Kein Vergleichsobjekt ist exakt identisch mit der Bewertungsimmobilie. Daher werden alle Vergleichspreise rechnerisch angepasst — nach oben oder nach unten. Wenn ein Vergleichsobjekt eine bessere Lage hat, wird sein Preis nach unten korrigiert. Hat es eine schlechtere Energieklasse, nach oben.

3. Zeitliche Indexierung

Vergleichsverkäufe aus der Vergangenheit werden auf den aktuellen Bewertungsstichtag indexiert. Dafür nutzen Gutachter Marktindizes — etwa den vdpResearch-Index oder die Empira-Daten. In einem Marktanstieg von 8 % pro Jahr würde ein vor 12 Monaten realisierter Verkaufspreis um genau diesen Betrag erhöht.

4. Mittelwertbildung und Plausibilisierung

Aus den angepassten Vergleichspreisen wird ein Mittelwert oder Median gebildet. Ausreißer (extrem hohe oder niedrige Werte) werden begründet weggelassen. Das Ergebnis ist der Vergleichswert — ergänzt durch eine Spannbreite (z.B. ± 7 %), die die Unsicherheit ausdrückt.

Datenquellen

Die Qualität des Vergleichswertverfahrens steht und fällt mit den Daten. Die wichtigsten Quellen:

Gutachterausschüsse

Jeder Kreis und jede kreisfreie Stadt führt nach § 192 BauGB einen Gutachterausschuss. Dieser sammelt alle notariell beurkundeten Kaufverträge aus seinem Zuständigkeitsbereich (Kaufpreissammlung) und veröffentlicht regelmäßig den Grundstücksmarktbericht. Für 100-300 Euro können Sie eine konkrete Vergleichswertauskunft beantragen.

IDN-Immodatenbank

Bundesweite Datenbank vieler Gutachterausschüsse. Wird vor allem von Gutachtern, Banken und großen Maklern genutzt — privater Zugang ist eingeschränkt.

BORIS und BORIS-D

Bodenrichtwert-Informationssysteme der Länder. BORIS-D ist das bundesweite Portal (boris-deutschland.de) mit kostenlosem Zugang zu Bodenrichtwerten. Allerdings nur Bodenpreise, keine Gebäudewerte.

Kommerzielle Anbieter

Eigene Recherche

Private Verkäufer können auch selbst recherchieren — etwa über die Suchportale Immobilienscout24, ImmoWelt oder eBay-Kleinanzeigen. Aber Achtung: Diese zeigen Angebotspreise, nicht Verkaufspreise. Die Verkaufspreise liegen typisch 5-15 Prozent unter den ursprünglichen Angeboten.

Anpassungsfaktoren

Die Anpassung der Vergleichspreise an die Eigenschaften der Bewertungsimmobilie ist der schwierigste Teil. Wichtigste Faktoren:

Lage (typisch ± 5-20 %)

Objekteigenschaften (typisch ± 3-10 %)

Energetik (typisch -10 bis +5 %)

Seit der Energiekrise und mit Inkrafttreten des GEG ist die Energieklasse zum bedeutenden Wertfaktor geworden. Objekte mit Klasse A+/A erzielen Aufschläge, Objekte mit Klasse F/G/H regelmäßig deutliche Abschläge wegen anstehender Sanierungspflicht.

Rechtliche Besonderheiten (variabel)

Wann ist es geeignet?

Sehr geeignet

Eingeschränkt geeignet

Praxis-Tipps

Aus 20 Jahren Bewertungspraxis — was Verkäufer beachten sollten:

Mein Rat: Für eine professionelle Erstbewertung kostet ein Verkehrswertgutachten 1.500-3.500 Euro. Wer das nicht investieren will, kann mit Vergleichswert-Online-Tools eine erste Indikation bekommen — sollte dann aber zwei bis drei seriöse Makler ihre Einschätzung abgeben lassen und den Mittelwert nehmen. Wer 5-10 Prozent über diesem Mittelwert in den Markt geht, hat in den meisten Lagen einen realistischen Listenpreis mit Verhandlungspuffer.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Vergleichswertverfahren" — kompakt beantwortet.

Was ist das Vergleichswertverfahren?

Das nach § 24 ImmoWertV definierte Bewertungsverfahren, bei dem der Wert einer Immobilie aus tatsächlich erzielten Kaufpreisen vergleichbarer Objekte abgeleitet wird. Es ist das häufigste Verfahren bei ETW und EFH in homogenen Lagen.

Wann ist das Vergleichswertverfahren das richtige?

Bei standardisierten Wohnimmobilien mit ausreichend Vergleichsverkäufen in der Umgebung: Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern, Reihen- und Doppelhäuser, Standard-Einfamilienhäuser. Weniger geeignet bei Unikaten, denkmalgeschützten Objekten oder besonderen Lagen ohne Vergleichsdaten.

Woher kommen die Vergleichsdaten?

Wichtigste Quelle sind die Gutachterausschüsse der Kreise und kreisfreien Städte (§ 192 BauGB). Sie führen Kaufpreissammlungen mit allen tatsächlich beurkundeten Verkäufen. Weitere Quellen: IDN-Immodatenbank, BORIS-D, kommerzielle Anbieter wie Sprengnetter, Immobilienscout24-Marktdaten.

Wie viele Vergleichsobjekte werden gebraucht?

Mindestens 3-5 Vergleichsobjekte, idealerweise 8-15. Je mehr und je näher die Vergleiche, desto belastbarer das Ergebnis. Die Vergleichsobjekte sollten in den letzten 12-24 Monaten verkauft worden sein, in der gleichen oder vergleichbaren Lage liegen und ähnliche Eigenschaften haben.

Welche Anpassungen werden vorgenommen?

Gutachter passen die Vergleichspreise an Unterschiede zur Bewertungsimmobilie an: Lage, Größe, Baujahr, Ausstattung, Energieeffizienz, Zuschnitt, Stellplatz, Balkon, Aufzug. Auch zeitliche Marktveränderungen seit dem Vergleichskauf werden berücksichtigt (Indexierung).

Wie genau ist das Vergleichswertverfahren?

Bei guter Datenbasis sehr genau — typische Abweichung 5-10 Prozent vom späteren Verkaufspreis. In Lagen mit wenigen Verkäufen oder bei Sondersituationen (Energetik-Sanierungsbedarf, sehr individuelle Ausstattung) wächst die Unsicherheit. Gutachter geben die Schwankungsbreite explizit aus.

Den richtigen Preis finden?

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