Primärenergiebedarf 2026: Berechnung, Faktoren, Energieausweis | DOERTER.
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Primärenergiebedarf einfach erklärt.

Die zentrale energetische Kennzahl in Deutschland — berücksichtigt nicht nur den Energieverbrauch im Gebäude, sondern auch die Vorkette von Förderung, Transport und Umwandlung. Was sich dahinter verbirgt und warum ein Haus mit 100 kWh/m² Endenergie ganz unterschiedliche Primärenergiebedarfe haben kann.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Primärenergiebedarf 2026: Berechnung, Faktoren, Energieausweis

Was ist der Primärenergiebedarf?

Der Primärenergiebedarf ist die zentrale energetische Kennzahl in Deutschland — und für Hauseigentümer eine der wichtigsten Größen, die ihren Energieausweis beeinflusst.

Konkret: Der Primärenergiebedarf gibt an, wie viel Energie für die Beheizung und Warmwasserbereitung eines Gebäudes benötigt wird — einschließlich der gesamten Vorkette: Förderung, Aufbereitung, Transport und Umwandlung des Energieträgers. Damit unterscheidet er sich grundlegend von der Endenergie, die nur die Menge angibt, die am Haus ankommt (also etwa die Gasrechnung).

Begriffsklarheit

  • Nutzenergie: Wärme, die im Raum tatsächlich ankommt
  • Endenergie: Was geliefert wird (Gas, Öl, Strom, Pellets)
  • Primärenergie: Endenergie plus Vorkette (Förderung, Transport, Umwandlung)

Wie wird er berechnet?

Der Primärenergiebedarf ergibt sich aus dem Endenergiebedarf multipliziert mit dem Primärenergiefaktor des verwendeten Energieträgers:

Qp = Qe × fp

Qp = Primärenergiebedarf [kWh/(m²·a)]
Qe = Endenergiebedarf [kWh/(m²·a)]
fp = Primärenergiefaktor [—]

Bei mehreren Energieträgern werden die Anteile gewichtet zusammengerechnet.

Beispielrechnung

Einfamilienhaus, 140 m², Heizenergiebedarf 14.000 kWh/a, beheizt mit Gasheizung (Endenergie 15.500 kWh/a inkl. Verluste).

Bei gleichem Gebäude, aber Luft-Wärmepumpe mit JAZ 3,5:

Im gleichen Haus halbiert sich der Primärenergiebedarf beim Wechsel von Gas auf Wärmepumpe — selbst bei identischem Heizenergiebedarf des Hauses.

Primärenergiefaktoren

Die Faktoren sind in Anlage 4 zum GEG geregelt und werden alle paar Jahre angepasst. Aktueller Stand:

Energieträger Primärenergiefaktor
Erdgas (fossil)1,1
Heizöl1,1
Flüssiggas1,1
Steinkohle1,1
Braunkohle1,1
Strom (Netz, allgemein)1,8
Strom (PV-Eigenstrom)0,0
Holz, Pellets, Hackschnitzel0,2
Biogas0,5
Solarthermie0,0
Umweltwärme (Wärmepumpe)0,0 (nur der Stromanteil zählt)
Fernwärme (KWK fossil)0,7-1,3
Fernwärme (KWK erneuerbar)0,2-0,5
Wasserstoff (grün)0,5-0,7

Trend der Faktoren

Der Strom-Faktor ist seit 2014 von 2,8 auf heute 1,8 gefallen — wegen steigendem Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix. Eine weitere Senkung auf 1,5 ist absehbar. Damit werden Wärmepumpen primärenergetisch noch attraktiver.

Im Energieausweis

Der Primärenergiebedarf ist die zentrale Kennzahl auf dem Energieausweis. Er wird grafisch auf einer Skala mit Energieeffizienzklassen A+ bis H dargestellt:

Energieklasse Primärenergiebedarf
A+<= 30 kWh/(m²·a)
A31-50
B51-75
C76-100
D101-130
E131-160
F161-200
G201-250
H> 250

In Inseraten muss seit GEG die Energieeffizienzklasse genannt werden — zusammen mit dem Primärenergiebedarf und dem Energieträger.

Effizienzhaus-Standards

Die Effizienzhaus-Standards der KfW beziehen sich ebenfalls auf den Primärenergiebedarf — relativ zu einem Referenzgebäude nach GEG:

Die Förderhöhe der KfW richtet sich nach dem erreichten Effizienzhaus-Standard.

Bedeutung beim Verkauf

Primärenergiebedarf als Verkaufsargument

Der Primärenergiebedarf wirkt direkt auf den Verkaufspreis. In unseren Verkäufen 2024-2025 sahen wir:

Strategie zur Senkung

Wer den Primärenergiebedarf vor Verkauf senken will, hat zwei Hebel:

  1. Endenergiebedarf senken — durch Dämmung, neue Fenster, hydraulischen Abgleich
  2. Primärenergiefaktor verbessern — durch Heizungstausch (Gas/Öl → Wärmepumpe oder Pellets)

Der Heizungstausch ist meist die effektivste Maßnahme: Eine Halbierung des Primärenergiefaktors halbiert den Primärenergiebedarf. Bei 70 % BAFA-Förderung ist die Maßnahme oft wirtschaftlich attraktiv.

Argumentation im Exposé

Mein Rat: Der Primärenergiebedarf ist eine wichtige, aber nicht die einzige Kennzahl. Käufer wollen am Ende wissen: Was kostet mich das Heizen pro Jahr? Diese Information sollten Sie als Verkäufer transparent ergänzen — zusammen mit dem Energieausweis und einer kurzen Erläuterung der Primärenergiefaktoren. Eine niedrige Primärenergie ist Geld wert — und gleichzeitig die Eintrittskarte für KfW- und BAFA-Förderungen, die Käufer einkalkulieren.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Primärenergiebedarf" — kompakt beantwortet.

Was ist der Primärenergiebedarf?

Die gesamte Energiemenge, die zur Beheizung und Warmwasserbereitung eines Gebäudes benötigt wird — einschließlich der Energie für Förderung, Umwandlung und Transport des Energieträgers. Einheit: kWh/(m²·a). Wichtigste Kennzahl im Energieausweis.

Was ist der Unterschied zur Endenergie?

Endenergie: was am Haus ankommt (Gasrechnung, Stromrechnung). Primärenergie: zusätzlich die Vorkette — Erdgasförderung, Transport, Raffinerie, Stromerzeugung. Aus 100 kWh Endenergie können je nach Energieträger 50 kWh (Holz) bis 250 kWh (Direktstrom) Primärenergie werden.

Was sind Primärenergiefaktoren?

Der Faktor, mit dem die Endenergie multipliziert wird, um auf die Primärenergie zu kommen. Aktuelle Werte: Erdgas 1,1; Heizöl 1,1; Strom 1,8; Holz 0,2; Fernwärme 0,5-1,4 je nach Netz. Niedrige Faktoren = bessere Energiebilanz.

Warum hat eine Wärmepumpe einen besseren Primärenergiewert als Gas?

Weil sie aus 1 kWh Strom 3-5 kWh Wärme macht (JAZ). Bei JAZ 4 und Strom-Primärenergiefaktor 1,8 ergibt sich Primärenergiefaktor 1,8 / 4 = 0,45 für die gelieferte Wärme. Vergleich Gas: 1,1. Eine Wärmepumpe ist also primärenergetisch etwa halb so viel wert wie eine Gasheizung.

Welcher Primärenergiebedarf ist gut?

Effizienzhaus 100 (Vergleich Neubau): ca. 100 kWh/(m²·a). Effizienzhaus 55: 55 % davon, also ca. 55 kWh. Effizienzhaus 40: 40 kWh. Passivhaus: unter 25 kWh. Unsanierter Altbau: 200-400 kWh. Beim Verkauf gilt: unter 75 = sehr gut, 75-150 = ok, über 150 = sanierungsbedürftig.

Wo steht der Primärenergiebedarf?

Auf der ersten Seite des Energieausweises — sowohl als Zahlenwert in kWh/(m²·a) als auch grafisch auf einer Skala. Pflicht-Angabe bei Verkauf und Vermietung. Bei Bedarfsausweis berechnet, bei Verbrauchsausweis aus historischen Verbräuchen abgeleitet.

Energie-Kennzahlen richtig kommunizieren?

Wir helfen Ihnen, Ihren Energieausweis und die wichtigen Kennzahlen sauber in die Verkaufsunterlagen zu übernehmen — und Käufer mit klaren Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen zu überzeugen.