Primärenergiebedarf 2026: Berechnung, Faktoren, Energieausweis
Was ist der Primärenergiebedarf?
Der Primärenergiebedarf ist die zentrale energetische Kennzahl in Deutschland — und für Hauseigentümer eine der wichtigsten Größen, die ihren Energieausweis beeinflusst.
Konkret: Der Primärenergiebedarf gibt an, wie viel Energie für die Beheizung und Warmwasserbereitung eines Gebäudes benötigt wird — einschließlich der gesamten Vorkette: Förderung, Aufbereitung, Transport und Umwandlung des Energieträgers. Damit unterscheidet er sich grundlegend von der Endenergie, die nur die Menge angibt, die am Haus ankommt (also etwa die Gasrechnung).
Begriffsklarheit
- Nutzenergie: Wärme, die im Raum tatsächlich ankommt
- Endenergie: Was geliefert wird (Gas, Öl, Strom, Pellets)
- Primärenergie: Endenergie plus Vorkette (Förderung, Transport, Umwandlung)
Wie wird er berechnet?
Der Primärenergiebedarf ergibt sich aus dem Endenergiebedarf multipliziert mit dem Primärenergiefaktor des verwendeten Energieträgers:
Qp = Qe × fp
Qp = Primärenergiebedarf [kWh/(m²·a)]
Qe = Endenergiebedarf [kWh/(m²·a)]
fp = Primärenergiefaktor [—]
Bei mehreren Energieträgern werden die Anteile gewichtet zusammengerechnet.
Beispielrechnung
Einfamilienhaus, 140 m², Heizenergiebedarf 14.000 kWh/a, beheizt mit Gasheizung (Endenergie 15.500 kWh/a inkl. Verluste).
- Endenergie pro m²: 15.500 / 140 = 111 kWh/(m²·a)
- Primärenergiefaktor Erdgas: 1,1
- Primärenergiebedarf = 111 × 1,1 = 122 kWh/(m²·a)
Bei gleichem Gebäude, aber Luft-Wärmepumpe mit JAZ 3,5:
- Endenergie pro m² (Strom): 111 / 3,5 = 32 kWh/(m²·a)
- Primärenergiefaktor Strom: 1,8
- Primärenergiebedarf = 32 × 1,8 = 58 kWh/(m²·a)
Im gleichen Haus halbiert sich der Primärenergiebedarf beim Wechsel von Gas auf Wärmepumpe — selbst bei identischem Heizenergiebedarf des Hauses.
Primärenergiefaktoren
Die Faktoren sind in Anlage 4 zum GEG geregelt und werden alle paar Jahre angepasst. Aktueller Stand:
| Energieträger | Primärenergiefaktor |
|---|---|
| Erdgas (fossil) | 1,1 |
| Heizöl | 1,1 |
| Flüssiggas | 1,1 |
| Steinkohle | 1,1 |
| Braunkohle | 1,1 |
| Strom (Netz, allgemein) | 1,8 |
| Strom (PV-Eigenstrom) | 0,0 |
| Holz, Pellets, Hackschnitzel | 0,2 |
| Biogas | 0,5 |
| Solarthermie | 0,0 |
| Umweltwärme (Wärmepumpe) | 0,0 (nur der Stromanteil zählt) |
| Fernwärme (KWK fossil) | 0,7-1,3 |
| Fernwärme (KWK erneuerbar) | 0,2-0,5 |
| Wasserstoff (grün) | 0,5-0,7 |
Trend der Faktoren
Der Strom-Faktor ist seit 2014 von 2,8 auf heute 1,8 gefallen — wegen steigendem Anteil erneuerbarer Energien im deutschen Strommix. Eine weitere Senkung auf 1,5 ist absehbar. Damit werden Wärmepumpen primärenergetisch noch attraktiver.
Im Energieausweis
Der Primärenergiebedarf ist die zentrale Kennzahl auf dem Energieausweis. Er wird grafisch auf einer Skala mit Energieeffizienzklassen A+ bis H dargestellt:
| Energieklasse | Primärenergiebedarf |
|---|---|
| A+ | <= 30 kWh/(m²·a) |
| A | 31-50 |
| B | 51-75 |
| C | 76-100 |
| D | 101-130 |
| E | 131-160 |
| F | 161-200 |
| G | 201-250 |
| H | > 250 |
In Inseraten muss seit GEG die Energieeffizienzklasse genannt werden — zusammen mit dem Primärenergiebedarf und dem Energieträger.
Effizienzhaus-Standards
Die Effizienzhaus-Standards der KfW beziehen sich ebenfalls auf den Primärenergiebedarf — relativ zu einem Referenzgebäude nach GEG:
- Effizienzhaus 100: Entspricht dem GEG-Referenzgebäude (100 % Primärenergie)
- Effizienzhaus 85: 85 % des Referenzgebäudes
- Effizienzhaus 70: 70 % — typisch sanierter Altbau mit guter Dämmung
- Effizienzhaus 55: 55 % — Standard im Neubau, viele Sanierungen erreichen das
- Effizienzhaus 40: 40 % — sehr ambitionierter Standard
- Effizienzhaus 40 Plus: 40 % plus selbst erzeugter Strom
Die Förderhöhe der KfW richtet sich nach dem erreichten Effizienzhaus-Standard.
Bedeutung beim Verkauf
Primärenergiebedarf als Verkaufsargument
Der Primärenergiebedarf wirkt direkt auf den Verkaufspreis. In unseren Verkäufen 2024-2025 sahen wir:
- Klasse A/B (unter 75 kWh): Preisaufschlag 5-15 % gegenüber Standard
- Klasse C/D (76-130): Standard-Preis
- Klasse E/F (131-200): Preisabschlag 5-15 %
- Klasse G/H (über 200): Preisabschlag 15-25 %, schwierige Vermarktung
Strategie zur Senkung
Wer den Primärenergiebedarf vor Verkauf senken will, hat zwei Hebel:
- Endenergiebedarf senken — durch Dämmung, neue Fenster, hydraulischen Abgleich
- Primärenergiefaktor verbessern — durch Heizungstausch (Gas/Öl → Wärmepumpe oder Pellets)
Der Heizungstausch ist meist die effektivste Maßnahme: Eine Halbierung des Primärenergiefaktors halbiert den Primärenergiebedarf. Bei 70 % BAFA-Förderung ist die Maßnahme oft wirtschaftlich attraktiv.
Argumentation im Exposé
- „Primärenergiebedarf 62 kWh/(m²·a), Energieklasse B — überdurchschnittlich gut.“
- „Heizung: Luft-Wärmepumpe Bj. 2022, gespeist durch PV-Anlage 8,5 kWp — niedrige Primärenergie.“
- „Endenergiebedarf nur 95 kWh/(m²·a), bei Strom-Primärenergiefaktor 1,8 ergibt sich Primärenergie von 171 kWh — Klasse F (Hinweis: bei einer Wärmepumpe-Sanierung würde Klasse C erreichbar sein, KfW-Förderung möglich).“
Mein Rat: Der Primärenergiebedarf ist eine wichtige, aber nicht die einzige Kennzahl. Käufer wollen am Ende wissen: Was kostet mich das Heizen pro Jahr? Diese Information sollten Sie als Verkäufer transparent ergänzen — zusammen mit dem Energieausweis und einer kurzen Erläuterung der Primärenergiefaktoren. Eine niedrige Primärenergie ist Geld wert — und gleichzeitig die Eintrittskarte für KfW- und BAFA-Förderungen, die Käufer einkalkulieren.