Mietspiegel 2026: Funktionsweise, ortsüblich, Bedeutung beim Verkauf | DOERTER.
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Mietspiegel, einfach erklärt.

Die Übersicht der ortsüblichen Vergleichsmieten nach §§ 558c, 558d BGB. Wie der Mietspiegel erstellt wird, was er für Mieterhöhungen bedeutet und welche Rolle er beim Verkauf einer vermieteten Wohnung spielt.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Mietspiegel 2026: Funktionsweise, ortsüblich, Bedeutung beim Verkauf

Was ist der Mietspiegel?

Der Mietspiegel ist die offizielle Übersicht der ortsüblichen Vergleichsmieten in einer Gemeinde. Er ist in §§ 558c und 558d BGB geregelt und dient mehreren Zwecken: als Grundlage für Mieterhöhungen, als Maßstab für die Mietpreisbremse und als Bewertungshilfe für vermietete Immobilien.

Der Mietspiegel ordnet Wohnungen typischerweise nach Wohnungsgröße, Baujahr, Ausstattung und Lage in Kategorien ein und gibt für jede Kategorie eine Mietpreisspanne in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche aus. Die ausgewiesene Spanne bildet die ortsübliche Vergleichsmiete ab — das ist die Miete, die für vergleichbare Wohnungen in der gleichen Gemeinde gezahlt wird.

Einfach vs. qualifiziert

Einfacher Mietspiegel (§ 558c BGB)

Wird von der Gemeinde oder Interessenverbänden aufgestellt. Keine besonderen wissenschaftlichen Anforderungen, aber die Mieten müssen plausibel und nachvollziehbar sein. Wirkung: Indikativ. Bei Streit kann jede Seite die ausgewiesenen Werte mit Gegenbeweisen entkräften.

Qualifizierter Mietspiegel (§ 558d BGB)

Erfüllt strenge wissenschaftliche Anforderungen — etwa repräsentative Stichproben, methodisch saubere Erhebung, anerkennung durch beide Marktseiten. Wird alle zwei Jahre an die Marktentwicklung angepasst, alle vier Jahre neu erhoben. Wirkung: Vermutungswirkung — die ausgewiesenen Werte gelten als ortsüblich, solange keine Gegenbelege vorliegen.

Wo welcher Spiegel?

In Großstädten wie Köln, Düsseldorf, München gibt es qualifizierte Mietspiegel. In kleineren Städten oft nur einfache Mietspiegel oder gar keine. Die genaue Liste finden Sie auf den Webseiten der jeweiligen Kommune oder beim Mieterverein.

Wie er erstellt wird

Die Erstellung eines Mietspiegels erfolgt typisch in drei Schritten:

1. Datenerhebung

2. Strukturierung

Die Daten werden in Kategorien zusammengefasst — typisch nach:

3. Veröffentlichung

Der Mietspiegel wird offiziell veröffentlicht (kommunale Webseite, Mieterverein, Verband Haus & Grund) und gilt ab Veröffentlichung als anwendbar. Er muss in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden — bei qualifizierten Spiegeln alle 2 Jahre.

Mietspiegel anwenden

Bei Mieterhöhungen

Vermieter, die die Miete bei einem bestehenden Mietverhältnis erhöhen wollen, müssen nach § 558 BGB an die ortsübliche Vergleichsmiete heranführen. Konkret:

Bei der Mietpreisbremse

In Gemeinden mit angespanntem Wohnungsmarkt darf die Anfangsmiete bei Neuabschluss nicht mehr als 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen (§ 556d BGB). Der Mietspiegel ist hier der zentrale Maßstab.

Bei Neuvermietung

Auch außerhalb der Mietpreisbremse orientieren sich Vermieter am Mietspiegel — schon weil Mieter den Spiegel kennen und Mieten darüber hinaus nicht akzeptieren.

Beim Verkauf

Der Mietspiegel hat beim Verkauf vermieteter Wohnungen drei wichtige Funktionen:

1. Bewertung des Ertragswerts

Bei vermieteten Mehrfamilienhäusern oder ETW geht die aktuelle Miete in das Ertragswertverfahren ein. Der Käufer kalkuliert die zu erwartenden Cashflows — und prüft, ob die Bestandsmieten realistisch sind oder eines Tages an den Mietspiegel angepasst werden müssen.

2. Mietpotenzial

Bei langjährigen Mietverhältnissen liegt die tatsächliche Miete oft deutlich unter Mietspiegel — manchmal 30-50 %. Käufer kalkulieren das Mietpotenzial bei Mieterwechsel: Bei Neuvermietung kann die Miete dann auf das Mietspiegelniveau angehoben werden.

3. Risiko-Einschätzung

Ist die Miete dagegen über Mietspiegel, droht eine Mietsenkungsklage des Mieters (§ 5 WiStG, bei mehr als 20 % über Mietspiegel). Käufer beachten das und reduzieren entsprechend den Kaufpreis.

Wertformel bei vermieteten ETW

Bei unvermietetem Verkauf: 100 % Marktwert
Bei vermietet zu Marktmiete: ≈ 90-95 %
Bei vermietet 20 % unter Mietspiegel: ≈ 80-85 %
Bei vermietet 40 % unter Mietspiegel: ≈ 70-78 %

Der Abschlag entsteht durch erwartete jahrelang gebundene niedrige Mieten plus Kündigungsschutz.

Kritik und Grenzen

Strukturelle Probleme

Rechtliche Angreifbarkeit

Mietspiegel werden regelmäßig vor Gerichten überprüft. Der Berliner Mietspiegel 2019 wurde z.B. vom BGH für rechtswidrig erklärt. Vermieter, die sich auf einen ungültigen Mietspiegel verlassen, riskieren Mietminderungsklagen.

Mietspiegelreformgesetz 2022

Mit dem Gesetz vom 10.08.2022 wurde die Pflicht zur Erstellung qualifizierter Mietspiegel für Gemeinden ab 50.000 Einwohnern eingeführt — bis 2025 (kleinere bis 100.000 EW) bzw. 2024 (größere bis 100.000 EW). Außerdem wurden Auskunftspflichten von Mietern und Vermietern verschärft.

Praxis-Empfehlung für Verkäufer

Wer eine vermietete Wohnung verkauft, sollte den aktuellen Mietspiegel kennen und in das Exposé aufnehmen:

Mein Rat: Bei langjährig vermieteten Wohnungen ist der Verkauf oft schwieriger und der Preis niedriger als bei unvermieteten. Wenn Sie als Verkäufer die Möglichkeit haben, vor dem Verkauf eine Mieterhöhung auf Mietspiegelniveau anzustoßen — tun Sie es. Das hebt den Ertragswert deutlich und macht Ihre Immobilie für Investoren attraktiver.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Mietspiegel" — kompakt beantwortet.

Was ist der Mietspiegel?

Die Übersicht der ortsüblichen Vergleichsmieten in einer Gemeinde — nach Wohnungsgröße, Baujahr, Lage und Ausstattung gegliedert. Geregelt in §§ 558c (einfach) und 558d (qualifiziert) BGB. Bildet die Grundlage für Mieterhöhungen, Mietpreisbremse und Bewertungen.

Wer erstellt den Mietspiegel?

Die Gemeinde oder ein Interessenverband (Mieterverein, Haus & Grund) — meist gemeinsam. Bei qualifizierten Mietspiegeln müssen die Vertretungen beider Seiten anerkennen. Datengrundlage: Befragung von Mietern und Vermietern oder Auswertung aller geänderten Mietverträge der letzten 6 Jahre.

Was ist der Unterschied zwischen einfachem und qualifiziertem Mietspiegel?

Der einfache Mietspiegel (§ 558c BGB) hat eine indikative Wirkung — bei Streit muss der Vermieter die Marktmiete anders belegen. Der qualifizierte Mietspiegel (§ 558d BGB) hat eine Vermutungswirkung: Die ausgewiesenen Mieten gelten als ortsüblich, sofern keine Gegenbelege beigebracht werden.

Wie wirkt sich der Mietspiegel auf Mieterhöhungen aus?

Mieterhöhungen bei bestehenden Mietverhältnissen müssen nach § 558 BGB an die ortsübliche Vergleichsmiete angeknüpft werden — also den Mietspiegel. Vermieter müssen bei Mieterhöhungsverlangen Bezug auf den Mietspiegel nehmen. Die Kappungsgrenze von 15 bzw. 20 % über 3 Jahre bleibt aber.

Gibt es überall einen Mietspiegel?

Nein. Mietspiegel werden vor allem in Großstädten und mittelgroßen Gemeinden erstellt. In kleinen Kommunen fehlen sie oft, dann gilt die Befragung von 3 Vergleichswohnungen als Nachweis (§ 558a BGB). Seit dem Mietspiegelreformgesetz 2022 sind Gemeinden ab 50.000 Einwohnern verpflichtet, Mietspiegel zu erstellen.

Welche Bedeutung hat der Mietspiegel beim Verkauf?

Bei vermieteten Wohnungen ist die aktuelle Marktmiete entscheidend für den Verkaufspreis — und der Mietspiegel ist der Maßstab dafür. Wenn Ihre Wohnung deutlich unter Mietspiegel vermietet ist (bei alten Mietverhältnissen üblich), kalkuliert der Käufer geringere Mieten ein. Das senkt den Ertragswert.

Eine vermietete Immobilie verkaufen?

Wir helfen Ihnen, den Marktwert unter Berücksichtigung der Bestandsmieten realistisch einzuschätzen und mit dem aktuellen Mietspiegel zu argumentieren — für einen Verkauf ohne böse Überraschungen.