Kataster / Katasteramt 2026: Aufgaben und Dokumente
Was ist das Kataster?
Das Liegenschaftskataster ist das amtliche, flächendeckende Verzeichnis aller Grundstücke in Deutschland. Es umfasst geometrische Daten (Liegenschaftskarte) und Sachdaten (Bestandsverzeichnis) und ist die Grundlage des Grundbuchs.
Rechtliche Grundlage
Geregelt in den Vermessungs- und Katastergesetzen der Bundesländer. Bundesgesetzliche Grundlage indirekt über das BauGB und die Grundbuchordnung (GBO).
Hauptbestandteile
- Liegenschaftskarte: graphische Darstellung aller Grundstücke
- Bestandsverzeichnis (früher: Liegenschaftsbuch): Sachdaten (Flurstücksnummer, Größe, Nutzungsart)
- Eigentümer-Daten: synchronisiert mit Grundbuch
- Punktnachweise: vermessungstechnische Festpunkte
Aufgaben des Katasteramts
1. Liegenschaftskataster führen
Das Katasteramt ist verantwortlich für:
- Aktualität der Karten und Daten
- Eintragung neuer Grundstücke (bei Teilung/Verschmelzung)
- Synchronisation mit Grundbuch
- Aktualisierung bei Bauten, Nutzungsänderungen
2. Vermessungen durchführen
- Grenzfeststellungen
- Gebäudevermessung nach Neubau
- Grundstücksteilungs-Vermessungen
- Setzen und Erneuern von Grenzsteinen
Wird oft durch öffentlich bestellte Vermessungsingenieure (ÖbVI) im Auftrag des Katasteramts durchgeführt.
3. Auszüge erstellen
- Liegenschaftskarte / Flurkarte
- Bestandsnachweis
- Lagepläne für Bauanträge
- Sonderauszüge mit Topographie
4. Mitteilungen an Grundbuch
Bei Änderungen (Teilung, Verschmelzung, Vermessung) meldet das Katasteramt automatisch ans Grundbuchamt. Umgekehrt: bei Eigentumswechsel im Grundbuch wird das Kataster aktualisiert.
5. Bodenrichtwert-Veröffentlichung
Über den Gutachterausschuss (oft beim Katasteramt angesiedelt): Bodenrichtwerte werden veröffentlicht — wichtig für Wertermittlung.
ALKIS-System
Hintergrund
Bis ca. 2008 wurden Kataster-Daten in zwei getrennten Systemen geführt:
- Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK): graphische Daten
- Automatisiertes Liegenschaftsbuch (ALB): Sachdaten
Mit ALKIS wurden beide zu einem integrierten System zusammengeführt. Bundesweit einheitliches Datenmodell.
Vorteile von ALKIS
- Einheitliche Darstellung deutschlandweit
- Online-Abruf über Geoportale
- Automatische Synchronisation
- Standardisierte Datenformate (NAS = Normbasierte Austausch-Schnittstelle)
- Einfacher Daten-Austausch mit Notaren, Behörden, Banken
Geoportale der Bundesländer
- Bayern: geoportal.bayern.de
- NRW: tim-online.nrw.de
- Baden-Württemberg: geoportal-bw.de
- Berlin: fbinter.stadt-berlin.de
- Sachsen: geosn.sachsen.de
- Niedersachsen: geoportal.de
Wichtige Dokumente
Liegenschaftskarte
Amtlicher Lageplan mit Grenzen, Flurstücksnummern, Gebäudekonturen. Kosten: 15-50 €. Heute oft online als PDF.
Bestandsnachweis
Auflistung aller Sachdaten:
- Eigentümer (Name, Adresse)
- Flurstücksnummer und Gemarkung
- Größe in m²
- Nutzungsart
- Bauliche Nutzung
- Verweis auf Grundbuch
Kosten: 15-30 €.
Lageplan für Bauantrag
Spezielle amtliche Karte für die Bauaufsicht:
- Maßstab meist 1:500
- Eingezeichnete Gebäude, Abstandsflächen, geplante Baumaßnahmen
- Kosten: 30-80 €
- Pflicht-Anlage bei jedem Bauantrag
Grenzfeststellungs-Niederschrift
Bei Grenzfeststellung durch ÖbVI: amtliche Niederschrift mit Unterschriften aller Nachbarn. Wird im Kataster eingetragen.
Kosten 2026
Standard-Dokumente
| Dokument | Kosten |
|---|---|
| Online-Auszug (PDF) | 10-30 € |
| Amtliche Liegenschaftskarte | 15-50 € |
| Bestandsnachweis | 15-30 € |
| Beglaubigter Auszug | 30-80 € |
| Lageplan für Bauantrag | 30-80 € |
| Sonderauszüge mit Topographie | 50-150 € |
| Grenzfeststellung (durch ÖbVI) | 500-2.500 € |
| Grundstücksteilung-Vermessung | 1.500-5.000 € |
Online vs. Papier
Online-Auszüge sind meist günstiger und schneller. Beglaubigte Papier-Auszüge nur bei spezifischen Anforderungen (Gericht, manchmal Bauaufsicht).
Bedeutung beim Verkauf
Pflicht-Unterlagen
Bei jedem Notarvertrag werden vom Katasteramt benötigt:
- Aktuelle Liegenschaftskarte (max. 6 Monate alt)
- Bestandsnachweis
- Ggf. Vermessungsergebnisse bei Grundstücksteilung
Wer beschafft?
Üblicherweise der Notar — meist im Rahmen seiner Vorbereitungs-Recherche. Auch der Verkäufer kann selbst Auszüge anfordern und dem Notar vorlegen.
Bei Diskrepanzen
Wenn das Kataster nicht mit dem tatsächlichen Bestand übereinstimmt (z.B. nicht eingetragener Anbau, fehlerhafte Grenzen): vor Verkauf klären. Sonst Mangelhaftungs-Risiko.
Käufer-Prüfung
Erfahrene Käufer überprüfen:
- Stimmen Grundstücksgröße und Lage mit Exposé überein?
- Sind alle Bauten eingezeichnet?
- Wo verlaufen die Grenzen genau?
- Gibt es Überbau zu Nachbarn?
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