Innenprovision 2026: Rechtslage und Praxis
Was ist die Innenprovision?
Die Innenprovision ist eine vom Verkäufer bezahlte Maklerprovision, die im Kaufpreis enthalten ist. Aus Sicht des Käufers ist sie nicht extern ausgewiesen — sie steckt „innen drin“ im Verkaufspreis.
Wirtschaftliche Wirkung
Auch wenn nur der Verkäufer die Innenprovision direkt zahlt, trägt sie der Käufer wirtschaftlich mit:
- Der Verkäufer kalkuliert die Provision in den Verkaufspreis ein
- Der Käufer zahlt einen höheren Kaufpreis als ohne Provision
- Effektiv ist die Provision Teil des Kaufpreises
Historische Verbreitung
Bis 2020 war die Innenprovision verbreitet, besonders bei:
- Bauträger-Verkäufen (Bauträger zahlt Makler aus eigener Kalkulation)
- Investoren-Käufen (Anleger-Wohnungen)
- Sonder-Vermarktungen mit speziellen Vertriebs-Konstellationen
Provisionsteilungs-Gesetz 2020
Hintergrund
Am 23.12.2020 trat das Gesetz über die Verteilung der Maklerkosten bei der Vermittlung von Kaufverträgen über Wohnungen und Einfamilienhäuser in Kraft. Hintergrund: Schutz von Verbrauchern vor übermäßigen Provisionen.
Kernregeln (§§ 656a-d BGB)
- § 656a BGB: Textform-Pflicht für Maklerverträge
- § 656b BGB: Halbteilungs-Grundsatz — bei Verkauf einer Wohnung oder eines EFH an einen Verbraucher: Käufer-Provision maximal 50 % der gesamten Provision
- § 656c BGB: Provisionsversprechen nur für Käufer — nur wirksam, wenn Verkäufer mindestens den gleichen Anteil zahlt
- § 656d BGB: bei Vereinbarung mit Verbraucher-Käufer: Verkäufer muss vor Käufer-Provisionsversprechen seinerseits zahlen oder verpflichtet sein
Anwendungsbereich
Gilt für Verkauf von:
- Eigentumswohnungen
- Einfamilienhäusern
- An einen Verbraucher (Privatperson)
NICHT geregelt:
- Mehrfamilienhäuser, Gewerbe, Sonderimmobilien
- Verkauf an Unternehmer
- Vermietung (eigene Regelung: Bestellerprinzip)
Folge
Bei einem klassischen EFH/ETW-Verkauf an Privatperson ist eine reine Innenprovision nicht mehr durchsetzbar. Der Käufer kann sich gegen die Übernahme von mehr als 50 % der Provision wehren.
Offenlegungs-Pflicht
BGH-Rechtsprechung
Der BGH hat seit Jahren entschieden: Der Makler muss seine Provisions-Konstellation offenlegen — auch bei Innenprovision. Verheimlichung kann arglistige Täuschung nach § 123 BGB darstellen.
Was muss offengelegt werden?
- Ob der Makler Provision von einer Partei erhält
- In welcher Höhe
- Ob es ein wirtschaftliches Interesse am Vertragsschluss gibt
„Provisionsfrei für Käufer“
Diese Formulierung ist heute rechtlich problematisch:
- Bei reiner Innenprovision: Käufer trägt sie indirekt — „provisionsfrei“ ist irreführend
- BGH-Urteil V ZR 13/19 (2019): Aufklärungs-Pflicht des Maklers
- Heute meist verwendet: „Keine Käufer-Provision“ oder „Maklerprovision wird vom Verkäufer übernommen“
Provisionsfreier Verkauf bei DOERTER
Bei einem echten Privatverkauf (z.B. über privatverkaufen.de) entfällt die Maklerprovision vollständig — weder Verkäufer noch Käufer zahlen Provision. Festpreis-Modell statt provisionsabhängiges Modell.
Innen- vs. Außenprovision
Direktvergleich
| Aspekt | Innenprovision | Außenprovision |
|---|---|---|
| Wer zahlt direkt? | Verkäufer | Käufer (oder beide) |
| Wie sichtbar? | Im Kaufpreis versteckt | Separat ausgewiesen |
| Wirtschaftliche Last | Käufer trägt mit | Wer zahlt, trägt sie |
| Heute zulässig (EFH/ETW Verbraucher)? | Nur eingeschränkt | Mit Halbteilungs-Grundsatz |
| Steuerlich beim Käufer absetzbar? | Nicht direkt (in Kaufpreis) | Bei Vermietung als Werbungskosten |
Geteilte Provision (heute Standard)
Seit 2020 hat sich beim EFH/ETW-Verkauf an Verbraucher die Halbteilungs-Konstellation durchgesetzt: Käufer und Verkäufer zahlen je 50 % der Provision, beide direkt. Übliche Sätze: 3-4 % netto pro Seite (zusammen 6-8 % brutto).
Praxis 2026
Verdrängung der reinen Innenprovision
Seit 2020 ist die reine Innenprovision beim Standard-Verkauf fast verschwunden. Praxis-Konstellationen heute:
- Halbteilung: Standard bei Privatverkauf an Verbraucher (3,57 % + 3,57 %)
- Provisionsfrei für Käufer: bei Bauträger-Verkäufen, oft kommuniziert
- Provisionsfrei (echt): bei Privatverkauf ohne Makler (DOERTER-Modell)
- Innenprovision: nur bei Gewerbe, MFH, B2B-Geschäften
Marketing-Strategien der Makler
Einige Anbieter werben offensiv mit „Provisionsfrei für Käufer“ — aber:
- Bei reiner Innenprovision: Käufer zahlt indirekt — täuschend
- Heute meist nicht mehr zulässig bei Standard-EFH/ETW
- Manche Anbieter nutzen Sonderkonstellationen (z.B. Vermarktung durch Verkäufer-Plattform)
Risiken bei nicht-konformer Provision
- Käufer kann Provisions-Anteile zurückfordern
- Vertrag kann angefochten werden
- Makler verliert Provisions-Anspruch
- Wettbewerbsrechtliche Abmahnungen möglich
Bedeutung beim Verkauf
Drei Verkaufs-Optionen
Option 1: Klassischer Makler (Standard)
- Provisionsteilung 50/50 zwischen Käufer und Verkäufer
- Üblich: 3-4 % netto pro Seite, brutto 3,57-4,76 %
- Verkäufer-Kosten bei 500.000 €: ca. 17.850-23.800 €
- Vorteil: Makler nimmt Verkaufs-Arbeit ab
- Nachteil: hohe Kosten
Option 2: Discount-Makler (Online-Plattformen)
- Reduzierte Provision, oft 1-2 % je Seite
- Online-basierte Vermarktung
- Weniger persönliche Betreuung
- Kosten 5.000-10.000 € bei 500.000 € Kaufpreis
Option 3: Echter Privatverkauf (DOERTER)
- Festpreis statt Provision: 1.500-3.000 €
- Verkäufer steuert den Prozess selbst
- Plattform unterstützt mit Marketing-Material, Bewertung, Notar-Koordination
- Ersparnis vs. Makler: 15.000-40.000 € bei 500.000 € Kaufpreis
- Voraussetzung: Eigene Zeit für Besichtigungen
Pflichten des Verkäufers bei Makler-Beauftragung
- Maklervertrag in Textform abschließen (§ 656a BGB)
- Vereinbarte Höhe und Aufteilung der Provision klar dokumentieren
- Beim Verkauf Käufer-Information sicherstellen
Pflichten beim Privatverkauf
- Keine Provision verstecken
- Echte Provisionsfreiheit kommunizieren
- Käufer-Aufklärung über Beratungsleistungen
- Klare Kommunikation: „Verkauf direkt vom Eigentümer“
Vorbereitung für den Verkauf
- Provisions-Modell vorab entscheiden
- Kostenvergleich verschiedener Optionen
- Bei Makler: Provisions-Aufteilung klären
- Bei Privatverkauf: Plattform-Auswahl und Festpreis
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