Indexmiete 2026: § 557b BGB, VPI-Kopplung, Vermieter-Vorteile | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Vermietung & Wohnungswirtschaft

Indexmiete, einfach erklärt.

Die an den Verbraucherpreisindex gekoppelte Miete nach § 557b BGB. Automatische Anpassungen bei Inflation — ohne komplizierte Mietspiegel-Verfahren. Wie sie funktioniert, welche Vorteile sie bietet und welche Grenzen Vermieter kennen müssen.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Indexmiete 2026: § 557b BGB, VPI-Kopplung, Vermieter-Vorteile

Was ist die Indexmiete?

Die Indexmiete ist ein besonderer Mietvertragstyp, bei dem die Miete an den Verbraucherpreisindex (VPI) gekoppelt ist. Geregelt ist sie in § 557b BGB. Die Idee: Die Miete passt sich automatisch an die Inflationsrate an — ohne dass komplizierte Mieterhöhungs-Verfahren durchgeführt werden müssen.

Eingeführt wurde diese Möglichkeit zum 1. September 2001. Vor allem in den Inflationsjahren 2022-2024 hat die Indexmiete wieder an Bedeutung gewonnen — Vermieter mit Indexmieten konnten die Inflationsfolgen weitgehend kompensieren.

Vertragsschluss

Die Indexmiete muss ausdrücklich im Mietvertrag vereinbart sein. Eine nachträgliche Umstellung ist nur einvernehmlich möglich. Typische Klausel:

„Die Miete wird jährlich an die Entwicklung des Verbraucherpreisindex für Deutschland (Basis 2020 = 100) angepasst (Indexmiete gem. § 557b BGB). Ausgangsmiete: 800 €/Monat. Bezugswert: VPI Stand Januar 2026 (122,5). Anpassung jeweils zum 1. Januar des Folgejahres nach schriftlicher Erklärung des Vermieters.“

Funktionsweise

Schritt 1: VPI-Basis festlegen

Im Mietvertrag wird der aktuelle VPI-Stand bei Vertragsabschluss festgehalten. Maßgebend ist der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Verbraucherpreisindex für Deutschland (Gesamtindex, Basis 2020 = 100).

Schritt 2: Mietanpassung berechnen

Bei der ersten Anpassung wird der neue VPI-Stand mit dem Ausgangsindex verglichen:

Neue Miete = Ausgangsmiete × (Aktueller VPI / Ausgangs-VPI)

Beispielrechnung

Ausgangsmiete 800 €/Monat. Ausgangs-VPI (Januar 2026): 122,5. Neuer VPI (Januar 2027): 127,5 (entspricht 4,1 % Inflation).

Schritt 3: Erhöhungs-Erklärung

Der Vermieter erklärt die Erhöhung schriftlich:

Schritt 4: Neue Mietzahlung

Ab dem übernächsten Monat nach Zugang der Erklärung gilt die neue Miete. Mieter ist verpflichtet, ab diesem Zeitpunkt den erhöhten Betrag zu zahlen.

Vor- und Nachteile

Vorteile für Vermieter

Vorteile für Mieter

Nachteile für Vermieter

Nachteile für Mieter

Vergleich zu anderen Mieterhöhungen

Aspekt Mietspiegel Index Staffel
Rechtsgrundlage§ 558 BGB§ 557b BGB§ 557a BGB
Erhöhungs-Frequenz15 Monate Sperre12 MonateVertrag
Begründung nötigJa, mit MietspiegelNur VPI-WerteNein
Kappungsgrenze15-20 %/3 JahreKeine direkteKeine direkte
MieterzustimmungErforderlichNicht erforderlichIm Vertrag
MietpreisbremseGiltGilt bei NeuvermietungGilt

Praxis-Tipps

Wann lohnt sich Indexmiete?

Wann lieber Mietspiegel-Erhöhung?

Beim Vertragsabschluss

Bei der Anpassung

  1. VPI-Werte recherchieren (destatis.de)
  2. Neue Miete berechnen
  3. Schriftliche Erklärung verfassen mit:
    • Verweis auf Indexmieten-Klausel
    • Ausgangs- und neuer VPI mit Datum
    • Berechnungsformel
    • Neue Miete und Stichtag
  4. Per Einschreiben oder mit Empfangsbestätigung versenden
  5. Anpassung der Mietzahlung ab übernächstem Monat

Häufige Fehler

Bei Verkauf der Immobilie

Vorteil für Käufer

Indexmieten sind für Investoren attraktiv:

Bei langjährig vermieteten Wohnungen

Wenn die Indexmiete schon seit Jahren läuft, ist die Miete oft nahe am Marktniveau. Im Vergleich zu Bestandsmieten mit Mietspiegel-Verträgen, die oft 20-40 % unter Markt liegen, ein deutlicher Wertvorteil.

Übergang auf neuen Eigentümer

Beim Verkauf tritt der Käufer in den bestehenden Mietvertrag — inklusive Indexmieten-Klausel — ein. Er kann von der nächsten Anpassung an die Erhöhung selbst durchführen.

Empfehlungen für Verkäufer

Bewertungs-Auswirkung

Indexmieten können den Verkaufspreis um typisch 5-15 % erhöhen gegenüber identischen Mietverträgen ohne Index-Klausel — vor allem in inflationären Phasen. Die Wertsteigerung ergibt sich aus den höheren Mieterhöhungs-Möglichkeiten und der besseren Vorhersehbarkeit.

Mein Rat aus 20 Jahren Praxis: Vermieter, die langfristig vermieten wollen, sollten Indexmieten ernsthaft prüfen. Vor allem nach den Erfahrungen der Jahre 2022-2024 zeigen sie ihren Wert. Bei Verkauf einer vermieteten Immobilie ist eine bestehende Indexmiete ein wichtiges Verkaufsargument — Käufer kalkulieren die Inflationsschutz-Komponente in den Preis ein.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Indexmiete" — kompakt beantwortet.

Was ist die Indexmiete?

Ein Mietverhältnis mit automatischer Mietanpassung entsprechend dem Verbraucherpreisindex (VPI) — geregelt in § 557b BGB. Statt klassischer Mieterhöhungen nach Mietspiegel wird die Miete automatisch entsprechend der Inflationsrate erhöht. Vor allem in inflationären Zeiten interessant für Vermieter.

Wie häufig kann die Miete erhöht werden?

Frühestens nach 12 Monaten seit der letzten Mietzahlung. Bezugsbasis ist die Veränderung des VPI. Erhöhung erfolgt durch schriftliche Erklärung des Vermieters — die neue Miete gilt ab dem übernächsten Monat. Begründung nicht nötig — automatische Anpassung an den Index.

Welche Mieterhöhungen sind bei Indexmiete ausgeschlossen?

Klassische Mieterhöhungen nach Mietspiegel (§ 558 BGB) sind nicht zulässig. Auch Staffelmieten sind ausgeschlossen. Erlaubt bleiben: Modernisierungsumlagen (§ 559 BGB) und Betriebskosten-Erhöhungen. Die Mietpreisbremse bei Neuvermietung (§ 556d BGB) gilt aber auch bei Indexmieten.

Wie hoch ist die Mietsteigerung typisch?

Hängt von der Inflationsrate ab. Niedrige Inflation 2010-2020: 1-2 % pro Jahr. Hohe Inflation 2022-2023: 5-8 % pro Jahr. Das macht Indexmieten in inflationären Phasen besonders attraktiv für Vermieter. Beispielrechnung: Bei 6 % VPI-Anstieg und 800 €/Monat Miete → +48 €/Monat → 848 €/Monat.

Welche Form muss die Erhöhungs-Erklärung haben?

Schriftform nach § 557b Abs. 3 BGB. Inhalt: Höhe der neuen Miete, Berechnungsbasis (alter und neuer VPI-Stand mit Datum), Stichtag der neuen Miete (übernächster Monat). Ohne formelle Anforderungen einzuhalten wird die Erhöhung unwirksam.

Wo finde ich den aktuellen VPI?

Beim Statistischen Bundesamt (destatis.de) — wird monatlich veröffentlicht. Maßgebend: Verbraucherpreisindex für Deutschland, Gesamtindex (Basis 2020 = 100). Mai 2026 typisch bei ca. 122-125 (entspricht 22-25 % Inflation seit 2020). Mietverträge können auch andere VPI-Basis verwenden, sofern eindeutig.

Indexmiete für Ihre Vermietung?

Wir vermitteln Ihnen Mietrechtsanwälte, die Indexmieten-Klauseln rechtssicher aufsetzen — oder bestehende Verträge prüfen, ob eine Umstellung sinnvoll ist.