Erbschein 2026: §§ 2353-2370 BGB, Kosten, Beantragung | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Erbe & Schenkung

Erbschein, einfach erklärt.

Das offizielle Zeugnis über die Erbfolge nach §§ 2353-2370 BGB — vom Nachlassgericht ausgestellt. Wann er benötigt wird, was er kostet und wann ein notarielles Testament die teure Beantragung ersparen kann.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Erbschein 2026: §§ 2353-2370 BGB, Kosten, Beantragung

Was ist der Erbschein?

Der Erbschein ist das offizielle Zeugnis des Nachlassgerichts über die Erbfolge nach einem Verstorbenen. Geregelt ist er in den §§ 2353-2370 BGB. Er bestätigt verbindlich, wer Erbe geworden ist und welche Erbquote er hat — und ist damit ein zentrales Dokument für die Abwicklung des Nachlasses.

Funktion

Arten von Erbscheinen

Wann er nötig ist

Typische Anwendungsfälle

Grundbuchberichtigung

Nach Tod des Eigentümers müssen die Erben ins Grundbuch eingetragen werden. Dafür braucht das Grundbuchamt einen Nachweis der Erbenstellung — entweder den Erbschein oder bei notariellem Testament die Eröffnungsniederschrift.

Bank- und Sparkassenkonten

Banken sperren nach Tod die Konten. Zur Auflösung oder Verfügung über Guthaben verlangen sie:

Versicherungen

Lebensversicherungen, Sterbegeldversicherungen, Hausratversicherungen — alle verlangen Erbennachweis für die Auszahlung an die Erben (sofern keine Bezugsberechtigung im Vertrag steht).

Behörden

Rentenversicherung, Finanzamt, andere staatliche Stellen — meist mit Erbschein zu klären.

Verkauf des Nachlasses

Bei Verkauf einer geerbten Immobilie ist der Erbschein die Voraussetzung — der Notar muss die Verfügungsberechtigung prüfen.

Wann er NICHT nötig ist

Beantragung

Zuständigkeit

Zuständig ist das Nachlassgericht beim Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Erblassers. Bei Wohnsitz im Ausland: deutsches Nachlassgericht nur in besonderen Fällen.

Antragsberechtigte

Antragsverfahren

1. Antrag stellen

2. Eidesstattliche Versicherung

Der Antragsteller versichert eidesstattlich, dass die Angaben richtig und vollständig sind — also dass keine weiteren Erben bekannt sind. Bei falscher Versicherung: strafbar (§ 156 StGB, Strafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe).

3. Prüfung durch das Nachlassgericht

4. Erteilung

Bei eindeutiger Erbfolge: Erbschein wird ausgestellt. Bei Widersprüchen: gerichtliche Klärung, kann Monate oder Jahre dauern.

Erforderliche Unterlagen

Bearbeitungszeit

Kosten

Gerichtsgebühren nach GNotKG

Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert (Wert aller Vermögensgegenstände abzüglich Verbindlichkeiten) und werden doppelt erhoben: Antragsgebühr plus eidesstattliche Versicherung.

Kostentabelle

Nachlasswert Erbscheinkosten (gesamt)
50.000 €ca. 330 €
100.000 €ca. 546 €
250.000 €ca. 1.070 €
500.000 €ca. 1.870 €
1.000.000 €ca. 3.470 €
2.000.000 €ca. 6.670 €

Zusatzkosten

Erbschein-Befreiung

Bei notariellem Testament

Die wichtigste Befreiung: Bei einem notariellen Testament oder Erbvertrag akzeptieren die meisten Banken und Grundbuchämter die Eröffnungsniederschrift als Erbennachweis. Vorgehen:

  1. Nachlassgericht eröffnet das Testament
  2. Eröffnungsniederschrift wird erstellt
  3. Erben erhalten beglaubigte Kopien
  4. Diese werden bei Banken und Grundbuchamt eingereicht

Wann die Befreiung nicht greift

Beispielrechnung Kostenersparnis

Nachlass 600.000 € (Wohnhaus + Sparvermögen).

Bei Immobilien

Grundbuchberichtigung

Nach Tod des Eigentümers muss das Grundbuch auf die Erben umgeschrieben werden. Dafür benötigt das Grundbuchamt:

Kostenfreie Berichtigung

Wenn der Antrag innerhalb von 2 Jahren nach dem Erbfall gestellt wird, ist die Grundbuchberichtigung kostenfrei (§ 60 Abs. 4 KostO). Nach Ablauf der 2 Jahre: Kosten nach Nachlasswert.

Bei Verkauf einer geerbten Immobilie

Empfehlungen

Häufige Stolperfallen

Mein Rat aus 20 Jahren Praxis: Bei Immobilienbesitz lohnt sich ein notarielles Testament fast immer — die Erbschein-Kosten sind sonst sechs- bis siebenstellig (gilt nicht für Kleinst-Nachlässe). Die Kosten des notariellen Testaments (500-2.000 €) amortisieren sich schon bei der Erbschein-Befreiung. Wer kein Testament hat: Erbschein-Beantragung sofort nach dem Erbfall einleiten — bei Immobilien-Verkauf droht sonst monatelange Verzögerung.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Erbschein" — kompakt beantwortet.

Was ist der Erbschein?

Ein offizielles Zeugnis des Nachlassgerichts über die Erbfolge nach §§ 2353-2370 BGB. Bestätigt, wer Erbe geworden ist und welche Erbquote er hat. Wird benötigt, um sich gegenüber Dritten (Grundbuchamt, Banken, Versicherungen) als Erbe auszuweisen.

Wann wird der Erbschein benötigt?

Bei Grundbuchberichtigungen, bei Banken (zur Kontoverfügung), bei Versicherungen (Auszahlung), bei Behörden. Bei notariellem Testament meist nicht nötig — Grundbuch und Banken akzeptieren das Testament direkt (mit Eröffnungs-Protokoll). Eigenhändiges Testament: meist Erbschein erforderlich.

Wie wird der Erbschein beantragt?

Beim Nachlassgericht (zuständig: Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Erblassers). Antrag schriftlich oder zur Niederschrift. Mit eidesstattlicher Versicherung der Erbenstellung. Bearbeitungszeit typisch 4-12 Wochen, in komplexen Fällen länger.

Was kostet der Erbschein?

Die Kosten richten sich nach dem Nachlasswert (zuzüglich Verbindlichkeiten). Doppelte Gebühr (Antragsgebühr + eidesstattliche Versicherung): bei 100.000 € ca. 546 €, bei 250.000 € ca. 1.070 €, bei 500.000 € ca. 1.870 €, bei 1.000.000 € ca. 3.470 €.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Sterbeurkunde des Erblassers, Personalausweis des Antragstellers, Geburtsurkunden der Erben, Heiratsurkunde bei Ehegatten, Testament/Erbvertrag falls vorhanden, Familienstammbuch oder Familienbuch. Bei Geschwistern: Sterbeurkunden der Eltern.

Wann kann ich auf den Erbschein verzichten?

Bei notariellem Testament oder Erbvertrag akzeptieren die meisten Banken und Grundbuchämter die Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts. Nur bei eindeutiger Erbenstellung und einfacher Erbfolge. Bei komplexen Konstellationen wird trotzdem Erbschein gefordert.

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