Erbschaftssteuer Immobilie 2026: Freibeträge, Familienheim, Bewertung | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Steuern & Förderung

Erbschaftssteuer bei Immobilien.

Die Steuer auf erworbenes Vermögen von Todes wegen nach Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Welche Freibeträge gelten, wann das Familienheim steuerfrei bleibt und welche Strategien bei geerbten Immobilien wirklich helfen.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Erbschaftssteuer Immobilie 2026: Freibeträge, Familienheim, Bewertung

Was ist die Erbschaftssteuer?

Die Erbschaftssteuer ist die Steuer auf das von Todes wegen erworbene Vermögen — geregelt im Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Sie fällt also nicht nur auf Geld an, sondern auf das gesamte Erbe inkl. Immobilien, Wertpapieren, Lebensversicherungen und sonstigen Vermögensgegenständen.

Bei Immobilien hat die Erbschaftssteuer besondere Bedeutung — die hohen Verkehrswerte sprengen schnell die Freibeträge, und gleichzeitig gibt es mit der Familienheim-Befreiung eines der wertvollsten Steuerinstrumente überhaupt. Für viele Familien entscheidet eine gute Strategie über fünf- bis sechsstellige Steuerlasten.

Freibeträge 2026

Personenbezogene Freibeträge (§ 16 ErbStG)

Personenkreis Freibetrag
Ehegatten, eingetragene Lebenspartner500.000 €
Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder400.000 €
Enkel (Eltern noch leben)200.000 €
Enkel (Eltern verstorben)400.000 €
Eltern, Großeltern (beim Erbe)100.000 €
Geschwister, Nichten/Neffen20.000 €
Sonstige Erben20.000 €

Zusätzliche Freibeträge (§ 17 ErbStG)

Beispiel: Ehegatte erbt

Ehegatte erbt vom verstorbenen Partner Vermögen im Wert von 1.000.000 € (davon 700.000 € Immobilie, 300.000 € Bankguthaben).

Familienheim-Befreiung

Die Familienheim-Befreiung (§ 13 Abs. 1 Nr. 4a/4b ErbStG) ist das wichtigste Steuergeschenk im Erbschaftsrecht. Bei selbst genutzten Wohnimmobilien kann das Familienheim völlig steuerfrei vererbt werden.

Ehegatten und Lebenspartner

Kinder und Stiefkinder

Beispiel: Kind erbt Familienhaus

Vater verstirbt, einziges Kind erbt das Einfamilienhaus, das der Vater selbst bewohnte. Wohnfläche 180 m², Verkehrswert 700.000 €.

Beispiel: Über 200 m² Wohnfläche

Wohnfläche 300 m², Verkehrswert 900.000 €. Anrechnung der 200 m²:

Vorsicht bei vorzeitigem Verkauf

Wer die selbst genutzte Immobilie innerhalb der 10-Jahres-Frist verkauft, verliert rückwirkend die Familienheim-Befreiung. Das Finanzamt setzt nachträglich die volle Erbschaftssteuer fest. Bei einem Erbe von 600.000 € können das schnell 30.000-50.000 € Nachsteuer sein.

Steuerliche Bewertung

Stichtag für die Bewertung ist der Todestag des Erblassers. Die Bewertung erfolgt nach dem Bewertungsgesetz (BewG):

Bewertungsverfahren

Wertmindernde Faktoren

Bei der Bewertung können bestimmte Lasten wertmindernd berücksichtigt werden:

Sachverständigengutachten

Wenn der steuerliche Wert (Standardbewertung) über dem Verkehrswert liegt, kann der Erbe nach § 198 BewG ein Sachverständigengutachten einreichen. Voraussetzung: öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Kosten 1.500-4.000 €, oft schon ab 100.000 € Wertdifferenz wirtschaftlich.

Schenkung vs. Erbe

Wichtige Unterschiede

Aspekt Schenkung Erbe
ZeitpunktZu LebzeitenMit Tod
Familienheim-BefreiungNur EhegattenEhegatten + Kinder bis 200 m²
Eltern-Freibetrag20.000 €100.000 €
Versorgungsfreibetrag EhegatteNeinJa (bis 256.000 €)
10-Jahres-Frist nutzbarJa, mehrfachNur einmal
Kontrolle des VermögensSofort verlorenBleibt bis Tod

Wann Schenkung vorteilhaft ist

Wann Erbe vorteilhaft ist

Praxis-Tipps für Erben

Direkt nach Tod des Erblassers

Bei der Steuererklärung

Strategische Entscheidungen

Häufige Fehler

Mein Rat: Bei jeder Immobilienerbschaft über 200.000 € lohnt sich ein erfahrener Steuerberater oder Fachanwalt für Erbrecht. 1.500-3.500 € Beraterkosten sparen oft 10.000-50.000 € Steuer. Die wichtigste Entscheidung ist meist: Selbst nutzen (= Familienheim-Befreiung) oder vermieten/verkaufen — diese Entscheidung muss innerhalb der ersten 6 Monate gefällt werden.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Erbschaftssteuer Immobilie" — kompakt beantwortet.

Was ist die Erbschaftssteuer?

Die Steuer auf das von Todes wegen erworbene Vermögen nach Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). Steuerpflichtig ist der Erbe. Bei Immobilien wird der steuerliche Wert besteuert. Freibeträge und Steuersätze identisch mit Schenkungssteuer.

Wie hoch sind die Freibeträge?

Ehegatten: 500.000 € plus zusätzlicher Versorgungsfreibetrag bis 256.000 €. Kinder: 400.000 € pro Elternteil. Enkel: 200.000 € (400.000 € bei vorverstorbenen Eltern). Eltern: 100.000 € beim Erbe (anders als bei Schenkung: 20.000 €). Geschwister, Nichten/Neffen: 20.000 €. Sonstige: 20.000 €.

Was ist die Familienheim-Befreiung?

Die vollständige Steuerbefreiung für selbst genutzte Wohnimmobilien beim Erbe an Ehegatten (unbegrenzt) oder Kinder (bis 200 m² Wohnfläche). Voraussetzung: Der Erbe nutzt die Immobilie unverzüglich (6 Monate) selbst und mindestens 10 Jahre lang. Bei Verkauf vor Ablauf der 10 Jahre wird die Steuer rückwirkend erhoben.

Wie wird die geerbte Immobilie steuerlich bewertet?

Nach dem Bewertungsgesetz (BewG) — Stichtag ist der Todestag des Erblassers. Verfahren: Vergleichswertverfahren bei ETW/EFH, Ertragswertverfahren bei MFH, Sachwertverfahren bei Sondernutzungen. Bei Belastung mit Nießbrauch oder Wohnrecht: Wertreduktion möglich. Bei zu hohem Steuerwert: Sachverständigengutachten nach § 198 BewG.

Was passiert mit Hypotheken und Krediten?

Schulden mindern den steuerpflichtigen Wert. Im Beispiel: Geerbte Immobilie Verkehrswert 600.000 €, offene Hypothek 200.000 € → steuerpflichtiger Wert nur 400.000 €. Die geerbten Schulden sind also vom Erben zu übernehmen — was wirtschaftlich oft tragbar bleibt, weil Mieteinnahmen oder Wertanstieg die Tilgung tragen.

Wann ist die Erbschaftssteuer fällig?

Die Steuer entsteht mit dem Tod des Erblassers. Anzeigepflicht des Erben innerhalb von 3 Monaten beim Finanzamt (§ 30 ErbStG). Steuerbescheid kommt typisch 6-18 Monate nach Anzeige. Zahlung sofort fällig — Stundung in Härtefällen möglich (bis 10 Jahre bei Immobilien-Erben, die selbst nutzen).

Geerbte Immobilie richtig versteuern?

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