Eigenbedarfskündigung 2026: § 573 BGB, Voraussetzungen, Sperrfrist | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Vermietung & Wohnungswirtschaft

Eigenbedarfskündigung.

Die häufigste Vermieter-Kündigungsform nach § 573 BGB. Streng reguliert, oft umstritten. Welche Personen für den Eigenbedarf geltend gemacht werden können, welche Begründung verlangt wird und welche Sperrfristen bei Umwandlung gelten.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Eigenbedarfskündigung 2026: § 573 BGB, Voraussetzungen, Sperrfrist

Was ist die Eigenbedarfskündigung?

Die Eigenbedarfskündigung ist die häufigste Form, mit der ein Vermieter ein laufendes Mietverhältnis beenden kann. Sie ist in § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB geregelt und stellt eine Ausnahme vom grundsätzlichen Mieterschutz dar.

Voraussetzung: Der Vermieter hat ein berechtigtes Interesse an der Beendigung des Mietverhältnisses, weil er die Wohnung für sich, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts benötigt. Die Hürden sind hoch, der Schutz des Mieters ist umfassend.

Schutzkonzept

Berechtigte Personen

Wer berechtigt ist

Wer nicht berechtigt ist

Sonderfall: Personengesellschaften (Klärung durch BGH)

Die GbR-Reform hat 2024 manche Konstellationen neu sortiert. Mitglieder einer GbR können für sich Eigenbedarf geltend machen, wenn die GbR Eigentümerin ist — aber nur unter engen Voraussetzungen. Steuerberater oder Anwalt einbinden.

Begründungspflicht

Was begründet werden muss

Die Eigenbedarfskündigung muss schriftlich erfolgen (§ 568 BGB) und folgende Angaben enthalten:

Anforderungen an die Begründung

Die BGH-Rechtsprechung ist sehr streng. Pauschale Begründungen wie „mein Sohn zieht ein“ reichen nicht. Erforderlich sind:

Beispiel einer guten Begründung

„Ich kündige das Mietverhältnis wegen Eigenbedarfs nach § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB. Die Wohnung wird von meinem Sohn Max Mustermann (geboren 12.04.2002) ab dem 01.10.2026 benötigt, der zum Wintersemester 2026 sein Studium der Medizin an der Universität Köln aufnimmt. Die 2-Zimmer-Wohnung in der Geibelstraße 17 ist mit 2,3 km zur Universität ideal gelegen, die Größe von 52 m² entspricht den Bedürfnissen eines Studenten. Eigene Wohnungen unserer Familie in vergleichbarer Lage stehen nicht zur Verfügung. Mein Sohn wohnt derzeit bei mir in Düsseldorf und muss zum Studienbeginn umziehen.“

Sperrfrist nach Umwandlung

Eine besonders wichtige Schutzregel: Wenn eine Mietwohnung nach Vermietung in eine Eigentumswohnung umgewandelt und an Dritte verkauft wird, gilt für den Käufer eine Kündigungssperrfrist (§ 577a BGB).

Grundregel

NRW-Verordnung

NRW hat in mehreren Verordnungen Gemeinden mit verlängerter Sperrfrist bestimmt — typisch 5-8 Jahre. Aktuell gelten verlängerte Sperrfristen in:

Wann die Sperrfrist greift

Wann die Sperrfrist nicht greift

Kündigungsfristen

Gestaffelt nach Mietdauer (§ 573c BGB)

Mietdauer Kündigungsfrist
bis 5 Jahre3 Monate
5 bis 8 Jahre6 Monate
über 8 Jahre9 Monate

Härtefall-Einwand (§ 574 BGB)

Der Mieter kann der Kündigung widersprechen und Härtefall geltend machen. Typische Härtefälle:

Bei erfolgreichem Härtefall-Einwand: Vertragsverlängerung bis Härtefall wegfällt — kann jahrelang dauern.

Bei Verkauf der Immobilie

Wirkung der Vermietung auf den Verkauf

Vermietete Wohnungen sind schwerer verkäuflich als unvermietete, weil:

Strategie 1: Eigenbedarf vor Verkauf

Der Verkäufer kündigt selbst wegen Eigenbedarf (für sich oder Familie), wohnt selbst eine Zeit ein und verkauft dann als unvermietete Immobilie. Aber: Wer dann nach kurzer Zeit verkauft, ohne tatsächlich Eigenbedarf gehabt zu haben, riskiert Schadensersatzklagen des gekündigten Mieters.

Strategie 2: Verkauf an Investoren

Verkauf an Kapitalanleger, die mit der Vermietung leben. Preis-Abschlag 10-30 % je nach Mietverhältnis, aber schneller Verkauf.

Strategie 3: Mietaufhebungsvertrag

Vermieter und Mieter einigen sich auf Aufhebung gegen Abfindung (typisch 3-12 Monatsmieten). Mieter zieht aus, Wohnung wird unvermietet verkauft. Win-Win-Lösung wenn der Mieter ohnehin umziehen möchte.

Strategie 4: Verkauf an Mieter

Wenn der Mieter Interesse hat, die Wohnung selbst zu kaufen — meist mit Preisabschlag, dafür schnelle Abwicklung ohne Kündigung. Häufig bei umgewandelten Eigentumswohnungen.

Häufige Fehler beim Verkauf vermieteter Wohnungen

Empfehlungen

Mein Rat aus 20 Jahren Praxis: Die Eigenbedarfskündigung ist rechtlich heikel und sollte nur bei echtem Bedarf eingesetzt werden. Wer eine vermietete Immobilie verkaufen will, sollte zuerst Mietaufhebungs-Vereinbarung mit dem Mieter prüfen (gegen Abfindung). Das schafft Klarheit und ermöglicht den Verkauf als „unvermietete Immobilie“ — typisch 15-25 % höherer Preis als vermietet, oft mehr als die Abfindung.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Eigenbedarfskündigung" — kompakt beantwortet.

Was ist die Eigenbedarfskündigung?

Die Vermieter-Kündigung wegen Eigenbedarfs nach § 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB. Der Vermieter benötigt die Wohnung für sich selbst, Familienangehörige oder Angehörige seines Haushalts. Voraussetzung: vernünftiger und nachvollziehbarer Grund, der dem Mieterschutz vorgeht. Streng reguliert, oft Gegenstand gerichtlicher Streitigkeiten.

Für welche Personen kann Eigenbedarf geltend gemacht werden?

Für den Vermieter selbst, seine Familienangehörigen (Ehegatte, Eltern, Kinder, Geschwister, Stiefkinder, Schwiegereltern) und Angehörige seines Haushalts (z.B. Pflegekräfte). Nicht für entferntere Verwandte ohne enges Verhältnis (z.B. Cousins, Tanten), juristische Personen, Mitarbeiter.

Wie muss die Kündigung begründet werden?

Sehr ausführlich und konkret: Für wen wird Eigenbedarf geltend gemacht? Warum braucht die Person diese spezifische Wohnung? Warum nicht eine andere? Pauschale Begründungen wie „mein Sohn braucht die Wohnung“ reichen nicht. Erforderlich: Lebensumstände der berechtigten Person, Größenpassung, Lageargumente, Eilbedürftigkeit.

Was ist die Kündigungssperrfrist?

Bei umgewandelten Eigentumswohnungen (vorher Mietwohnung, jetzt ETW) gilt nach § 577a BGB eine Sperrfrist: Käufer können 3 Jahre nicht wegen Eigenbedarfs kündigen. In Gebieten mit Wohnraummangel kann diese Frist durch Landesverordnung auf bis zu 10 Jahre verlängert werden — in vielen NRW-Städten 5-8 Jahre.

Welche Kündigungsfristen gelten?

Nach § 573c BGB: 3 Monate bei Mietdauer bis 5 Jahre, 6 Monate bei 5-8 Jahren, 9 Monate bei mehr als 8 Jahren Mietdauer. Mieter kann Härtefall einwenden (§ 574 BGB) — Krankheit, hohe Alter, soziale Verwurzelung — und damit Verlängerung erreichen.

Was passiert bei vorgetäuschtem Eigenbedarf?

Sehr ernsthafte Folgen: Schadensersatz-Pflicht des Vermieters für entstandene Umzugskosten, Maklergebühren der neuen Wohnung, Mietdifferenzen über Jahre. Strafbarkeit möglich (Betrug § 263 StGB). Mieter müssen Indizien vorlegen — z.B. wenn die angeblich benötigende Person nie einzieht oder die Wohnung erneut vermietet wird.

Eine vermietete Wohnung verkaufen?

Wir helfen Ihnen, die optimale Strategie zu wählen — Eigenbedarfskündigung, Mietaufhebung gegen Abfindung oder Verkauf an Kapitalanleger — und vermeiden Sperrfrist-Stolperfallen.