Bodenrichtwert 2026: Definition, Abfrage, Bewertung | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Bewertung & Preis

Bodenrichtwert, einfach erklärt.

Der durchschnittliche Lagewert eines Quadratmeters Boden, jährlich vom Gutachterausschuss ermittelt — und der amtliche Ausgangspunkt jeder seriösen Immobilienbewertung in Deutschland.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert19. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Bodenrichtwert 2026: Definition, Abfrage, Bewertung

Was ist der Bodenrichtwert?

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Lagewert eines Quadratmeters unbebauten Bodens, ermittelt jährlich vom örtlichen Gutachterausschuss. Rechtsgrundlage: § 196 BauGB. Vereinfacht: Was kostet ein Quadratmeter Boden in Ihrer Wohngegend — als statistischer Durchschnitt aller tatsächlich verkauften Grundstücke.

Wichtig zu verstehen: Der Wert gilt für eine sogenannte Bodenrichtwertzone — meist ein Straßenzug, ein Quartier oder ein Stadtteilbereich mit ähnlichen Lagekriterien. Innerhalb einer Zone ist der Wert einheitlich, an der Grenze zur Nachbarzone kann er um 20 Prozent oder mehr abweichen.

Der Bodenrichtwert ist frei zugänglich und kostenlos abrufbar — anders als das Grundbuch ist er ausdrücklich für die Öffentlichkeit gedacht. Käufer, Verkäufer, Banken, Finanzämter und Gutachter nutzen ihn als gemeinsame Bezugsgröße.

Wer ermittelt den Bodenrichtwert?

Zuständig sind die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte der Städte und Kreise — selbstständige, unabhängige Gremien aus Sachverständigen, Verwaltungsbeamten und Notaren. Sie werten alle in ihrer Region notariell beurkundeten Kaufverträge anonym aus und leiten daraus die Durchschnittswerte ab.

Der Ablauf in Kurzform:

Wo finde ich Bodenrichtwerte?

Jedes Bundesland betreibt ein eigenes BORIS-Portal (Bodenrichtwertinformationssystem). 15 von 16 Bundesländern bieten Stand 2026 eine vollständig digitale, kostenlose Online-Abfrage über eine Kartenansicht:

So gehen Sie vor: Portal öffnen, Adresse oder Flurstück eingeben, Karte zeigt den Wert pro Quadratmeter in Euro. Bei Grenzlagen sehen Sie beide Werte und können vergleichen. Kosten: null.

Tipp: Speichern Sie sich den Screenshot mit Stichtag — bei Verkaufsverhandlungen kommt die Frage nach dem aktuellen Bodenrichtwert oft, und der Käufer wird ihn ohnehin selbst checken.

Bodenrichtwert vs. Bodenwert — der wichtige Unterschied

Häufige Verwechslung. Beide klingen ähnlich, sind aber verschiedene Größen:

Der Rechner unten zeigt Ihnen den groben Bodenwert. Für ein verbindliches Ergebnis braucht es einen Gutachter, der die individuellen Faktoren bewertet.

Rechner

Wie hoch ist Ihr Bodenwert?

Live · Schätzung
50 m²3.000 m²
€/m²
50 €/m²3.000 €/m²
Bodenwert (überschlägig) Vor individueller Korrektur
225.000 €

Reine Multiplikation Fläche × Bodenrichtwert. Der tatsächliche Bodenwert kann durch Lage-Korrekturen (Zuschnitt, Erschließung, Hanglage) 15 bis 30 Prozent nach oben oder unten abweichen. Verbindlich rechnet nur ein Sachverständiger.

500 m² × 450 €/m² = 225.000 €
Ohne Gewähr · Bodenrichtwerte aktuell stand Mai 2026 · Werte über BORIS Ihres Bundeslandes abfragen. Verkehrswert berechnen →

Bedeutung beim Verkauf Ihrer Immobilie

Der Bodenrichtwert ist eine der ersten Zahlen, die Käufer recherchieren. Wer mit einem Angebotspreis kommt, der den BRW deutlich übersteigt, muss das gut begründen können. Drei praktische Konsequenzen:

Tipp aus der Praxis: Wer mit einem Preis 5–10 Prozent über dem BRW × Fläche startet, ist meist im realistischen Bereich. Wer 50 Prozent darüber liegt, sollte mit einem konkreten Gutachten oder dokumentierten Vergleichsverkäufen argumentieren können.

Was der Bodenrichtwert nicht zeigt

Bei aller Nützlichkeit hat der BRW klare Grenzen:

Wer eine Immobilie mit besonderen Eigenschaften (Denkmalschutz, Hanggrundstück, Sondernutzung) bewerten will, sollte den BRW als Ausgangspunkt nehmen, aber ein zusätzliches Gutachten erstellen lassen.

Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Eigentümer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zum Bodenrichtwert — kompakt beantwortet.

Wo finde ich den Bodenrichtwert kostenlos?

Über das jeweilige BORIS-Portal Ihres Bundeslandes (BORIS-NRW, BORIS-BW, BORIS-Bayern etc.). Die meisten Bundesländer bieten eine kostenlose Online-Abfrage über eine Kartenansicht — Adresse eingeben, Wert ablesen. Stand 2026 sind 15 von 16 Bundesländern komplett digital.

Wie aktuell sind Bodenrichtwerte?

Bodenrichtwerte werden mindestens alle zwei Jahre neu ermittelt, in den meisten Großstädten jährlich. Stichtag ist der 1. Januar. Die aktuellen Werte für 2026 sind seit Frühjahr 2026 verfügbar. In schwankenden Märkten bilden sie den Markt erst mit Verzögerung ab.

Was ist der Unterschied zwischen Bodenrichtwert und Bodenwert?

Der Bodenrichtwert ist der durchschnittliche Quadratmeter-Preis einer Bodenrichtwertzone. Der Bodenwert ist der individuell ermittelte Wert Ihres konkreten Grundstücks: Bodenrichtwert × Grundstücksfläche, korrigiert um individuelle Merkmale wie Zuschnitt, Lage, Erschließung.

Gilt der Bodenrichtwert auch für bebaute Grundstücke?

Der Bodenrichtwert bezieht sich auf unbebauten Boden. Bei bebauten Grundstücken bildet er die Untergrenze: Plus Gebäude-Sachwert ergibt sich der gesamte Verkehrswert. Bei stark veralteten oder abrissreifen Häusern kann der Verkehrswert sogar unter dem reinen Bodenrichtwert liegen.

Beeinflusst der Bodenrichtwert die Grundsteuer?

Ja, in den meisten Bundesländern direkt. Die neue Grundsteuer ab 2025 nutzt den Bodenrichtwert als Bemessungsgrundlage für den Grundwert. In Bundesländern mit Flächenmodell (Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen) hat er weniger Einfluss.

Kann ich gegen einen zu hohen Bodenrichtwert vorgehen?

Direkt nein — der Bodenrichtwert ist eine statistische Erhebung des Gutachterausschusses, kein anfechtbarer Verwaltungsakt. Indirekt: Wenn der konkrete Wert Ihres Grundstücks deutlich unter dem Zonenrichtwert liegt (Hanglage, ungünstiger Zuschnitt, Altlasten), können Sie mit einem Gutachten beim Verkauf oder bei der Grundsteuer argumentieren.

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