Bereitstellungszinsen 2026: Höhe, bereitstellungsfreie Zeit, Verhandeln | DOERTER.
Immobilien-Lexikon · Finanzierung

Bereitstellungszinsen, einfach erklärt.

Die Bereitstellungszinsen sind ein oft unterschätzter Kostenfaktor bei Immobilienkrediten — sie fallen an für den Teil der Kreditsumme, der noch nicht abgerufen wurde. Vor allem beim Bauträger-Kauf können sie schnell mehrere tausend Euro ausmachen.

Erten Dörter
Gründer · 20+ Jahre Immobilien
Veröffentlicht19. Mai 2026
Aktualisiert22. Mai 2026
Lesezeit7 Min.

Bereitstellungszinsen 2026: Was Bauherren kostet

Was sind Bereitstellungszinsen?

Die Bereitstellungszinsen (auch Bereithaltungszins, Bereitstellungsprovision) sind Zinsen, die eine Bank für den noch nicht ausgezahlten Teil eines bewilligten Darlehens berechnet. Sie sind eine Kompensation dafür, dass die Bank das Geld vorhalten muss und nicht anderweitig anlegen kann.

Warum existieren sie?

Wann fallen Bereitstellungszinsen an?

Hauptanwendungsfälle:

Kein Bereitstellungszins in der Regel bei:

Berechnung & Höhe

Standardsatz

Typisch 3,00 % p.a. — dieser Satz hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert, unabhängig vom Marktzins-Niveau. Bei einigen Banken auch:

Formel

Bereitstellungszins = nicht-abgerufener Betrag × Zinssatz × Zeitanteil

Beispielrechnung Bauträger-Kauf

Bereitstellungszinsen entstehen ab Monat 7 auf den Restbetrag:

Wenn Bauverzögerung eintritt

Bei Bauverzögerungen um z.B. 6 weitere Monate können die Kosten signifikant steigen — im obigen Beispiel um weitere 1.500-3.000 €.

Bereitstellungsfreie Zeit

Was ist sie?

Die bereitstellungsfreie Zeit ist ein Zeitraum am Anfang des Kredits, in dem KEINE Bereitstellungszinsen anfallen. Der Kreditnehmer kann das Geld in dieser Zeit kostenfrei bereithalten.

Standardlaufzeiten

Beginn der bereitstellungsfreien Zeit

Verhandlungsspielraum

Was lässt sich verhandeln?

Verhandlungs-PunktStandardOptimierung möglich
Zinssatz Bereitstellung3,00 % p.a.2,00-2,50 % p.a.
Bereitstellungsfreie Zeit6 Monate12 Monate
Beginn der Fristab Vertragsschlussab Erstauszahlung
Berechnungauf bewilligte Summeauf noch nicht abgerufene Summe (= günstiger)
Wegfall bei rascher Komplettauszahlungneinja, bei Verhandlung

Wann ist die Verhandlungs-Position stark?

Verhandlungs-Strategie

  1. Mehrere Angebote einholen: Hausbank + 2 weitere Anbieter
  2. Konkrete Positionen vergleichen: Sollzins, Effektivzins, Bereitstellung, bereitstellungsfreie Zeit
  3. Beste Konditionen gegeneinander ausspielen
  4. Schriftlich abschließen — mündliche Zusagen sind wertlos
  5. Bauträger-Vertrag genau prüfen: Auszahlungs-Plan und mögliche Verzögerungs-Klauseln

Strategien zum Vermeiden

Strategie 1: Eigenkapital zuerst

Wenn Sie Eigenkapital haben, setzen Sie es in den frühen Tranchen ein — die Bank-Tranchen kommen später. Vorteil: Der nicht-abgerufene Bank-Anteil ist kleiner, Bereitstellungszinsen niedriger.

Strategie 2: Geteilte Finanzierung

Bei zwei Krediten (z.B. KfW + Bank-Hauptkredit): Die KfW-Bank rechnet oft keine Bereitstellungszinsen oder hat günstigere Sätze. Strategisch erst KfW abrufen, dann Bank-Kredit.

Strategie 3: Lange bereitstellungsfreie Zeit aushandeln

9-12 Monate bereitstellungsfreie Zeit decken bei vielen Bauträger-Käufen die Hälfte bis 2/3 der Bauzeit ab.

Strategie 4: Bauablauf realistisch planen

Bei realistischer Bauzeit-Planung lässt sich die Auszahlung optimal mit den bereitstellungsfreien Monaten verbinden.

Strategie 5: Schnellere Auszahlung verhandeln

Bei Bauträger: Möglicherweise ist eine größere Anfangsauszahlung möglich (statt langsamer Tranchen) — reduziert die Bereitstellungs-Phase.

Bedeutung beim Verkauf

Beim Erstverkauf einer Neubau-Immobilie

Wenn Sie als Käufer einer Bauträger-Immobilie planen, beim Notarvertrag und Finanzierung-Termin auf:

Bauträger und Bank sind getrennte Vertragspartner — Bauverzögerungen treffen Sie doppelt: Verzug beim Bauträger plus Bereitstellungszinsen bei der Bank.

Beim Wiederverkauf

Wer eine vor 5-10 Jahren gebaute Immobilie verkauft, ist meist nicht mehr von Bereitstellungszinsen betroffen — das Kapitel ist abgeschlossen.

Bei Sanierung mit Kredit

Wer ein Haus saniert, bevor er verkauft, und einen Sanierungskredit aufgenommen hat: Bereitstellungszinsen auf den noch nicht abgerufenen Teil. Auch hier: bereitstellungsfreie Zeit voll ausnutzen.

Käufer-Aufklärung

Wenn Sie als Verkäufer einer Immobilie mit laufendem Sanierungskredit verkaufen: Bereitstellungszinsen offenlegen — Käufer übernimmt entweder den Kredit oder muss die Restzahlung selbst aufbringen.

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Über den Autor

Erten Dörter

Gründer DOERTER. Holdings · ehem. Lizenzpartner Engel & Völkers

Erten Dörter hat in 20 Jahren über 1.000 Immobilienverkäufe begleitet — von der 2-Zimmer-ETW in Köln-Sülz bis zum Mehrfamilienhaus im Bergischen Land. Heute strukturiert er bei DOERTER. den Verkaufsprozess für private Eigentümer neu.

1.000+begleitete Verkäufe
500+ Mio €Transaktionsvolumen
20 JahreBranchenerfahrung
Häufige Fragen

Was Verkäufer oft fragen.

Die häufigsten Fragen zu „Bereitstellungszinsen" — kompakt beantwortet.

Was sind Bereitstellungszinsen?

Zinsen für den noch nicht abgerufenen Teil eines Darlehens. Die Bank hat das Geld zur Auszahlung bereit, kann es aber nicht anderweitig anlegen. Dafür zahlt der Kreditnehmer einen Aufpreis — meist 3 % p.a. auf den nicht-abgerufenen Betrag. Üblich beim Bauträger-Kauf, wo Auszahlung in 7-9 Tranchen nach Baufortschritt erfolgt (MaBV § 3 Abs. 2).

Wie hoch sind die Bereitstellungszinsen 2026?

Standard 3 % p.a. (gerechnet auf den nicht abgerufenen Betrag). Bei vielen Banken seit Jahren unverändert — unabhängig vom Marktzins-Niveau. Berechnungsmodus: monatlich, meist mit Tagesgenauigkeit. Beispiel: 200.000 € Restkreditsumme, 6 Monate Bereitstellung = 200.000 × 0,03 × 6/12 = 3.000 € Bereitstellungszinsen. Bei großen Bauträger-Projekten 5.000-15.000 € möglich.

Was ist die bereitstellungsfreie Zeit?

Ein Zeitraum am Anfang des Kredits, in dem KEINE Bereitstellungszinsen anfallen — der Kreditnehmer hat Zeit, das Geld abzurufen. Standard 3-12 Monate, je nach Bank und Verhandlung. Wichtige Verhandlungs-Position: Banken bieten oft 6 Monate, gute Kunden können 9-12 Monate erreichen. Während dieser Frist ist der Kredit kostenfrei abrufbar — danach beginnen die Bereitstellungszinsen.

Sind Bereitstellungszinsen verhandelbar?

Ja. Verhandelbar sind: (1) Höhe (von 3 % auf 2 % oder weniger), (2) Bereitstellungsfreie Zeit (von 6 auf 9-12 Monate), (3) Wegfall bei kompletter Auszahlung innerhalb X Monaten. Verhandlungs-Position stark bei: gutem Bonitäts-Score (SCHUFA), niedrigem Beleihungsauslauf (BLA < 60 %), mehreren parallelen Bank-Angeboten als Vergleich. Tipp: Immer Vergleichsangebot einholen.

Wann fallen typischerweise Bereitstellungszinsen an?

Bauträger-Kauf: Bezahlung erfolgt in 7-9 Tranchen nach Baufortschritt (Bestimmungen nach § 3 Abs. 2 MaBV) — Bauzeit 12-24 Monate, Auszahlung also über lange Phase verteilt. Neubau im Bauwerkvertrag: Auszahlung nach Bauleistungs-Phasen. Sanierung: meist nach Handwerker-Rechnungen. Klassischer Kauf einer Bestandsimmobilie: meist Komplettauszahlung in einer Tranche — KEINE Bereitstellungszinsen.

Wie kann ich Bereitstellungszinsen vermeiden oder reduzieren?

Strategien: (1) Möglichst lange bereitstellungsfreie Zeit aushandeln (9-12 Monate), (2) Kredit erst dann abrufen, wenn Auszahlung wirklich nötig ist, (3) Eigenkapital zuerst einsetzen — Kredit für letzte Phasen, (4) Kreditsumme stückeln: kleinere Tranchen sind genauer planbar, (5) Bauzeit-Planung optimieren: Verzögerungen vermeiden, weil sonst Bereitstellungszinsen steigen.

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